Es gibt eine neue Art zu protestieren, eine so revolutionäre wie verblüffende Protestart, und die funktioniert so: Statt kaputt zu machen, was einen kaputt macht – repariert man’s.

Sicher, reparieren war früher. Aber jetzt wird diese Tätigkeit zur kulturkritischen Haltung. Zum Guerillakampf. Gegen eine Wirtschaft, die uns Handys, Fernseher, Waschmaschinen mit eingebautem Verfallsdatum liefert. Uns zwingt, in immer kürzeren Abständen neue zu kaufen. Heile machen lohne nicht, hohnlacht der Fachhändler, das käme teurer, als das Gerät je wert war, Ersatzteile gebe es sowieso keine. Gegen diese Diktatur einer ressourcenverachtenden Wirtschaft, die uns zu Sklaven des Konsums macht, schießen nun Reparaturcafés und Selbsthilfeclubs aus dem Boden. Tüftler helfen sich gegenseitig, Omas Staubsauger, den ollen Laptop, die kaputte Lederhose wieder zum Leben zu erwecken. Warum das unsere Welt retten kann, erklärt Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, in seiner enthusiastischen Anleitung zur Reparatur.

Wer dieses Buch gelesen hat, wird das Ankleben eines Kaffeetassenhenkels nie wieder für Zeitverschwendung halten. "Die Kultur der Reparatur basiert auf Kenntnissen, auf Können, auf analytischem Denken, aber auch auf Lebensklugheit, auf Wertschätzung und, vor allem, Achtsamkeit. Wie ich mich gegenüber materiellen Dingen aus meiner Umgebung verhalte, sagt etwas über mich als Mensch." Mit dieser Theorie im Hinterkopf stärkt jede geglückte Reparatur das Selbstbewusstsein. Solange man sich von Wolfgang M. Heckels Bilanz nicht verschrecken lässt.

Der Mann ist leidenschaftlicher Reparateur. Im August 2012 beispielsweise, er hatte Urlaub, brachte er mindestens einen Gegenstand pro Tag auf Zack, vom akkulahmen iPod bis zur wackeligen Dachrinne. Als Laie erbleicht man bei der Schilderung des Kampfes von Heckl spätestens dann, wenn es darum geht, die Schwimmbadpumpe zu reparieren. Er treibt tatsächlich ein Ersatzteil auf. Für das aber wird eine Dreiviertel-Zoll-Schraubverbindung benötigt. Die es in keinem Baumarkt gibt, wohl damit Leute wie Herr Heckl ihre Pumpen nicht einfach reparieren. Am Ende ergattert er das Gewinde in einem mysteriösen Spezialgeschäft, das man am besten im Blaumann betritt. Ein Triumph! Nur: Wer hat schon die lustvolle Energie eines Wolfgang M. Heckl? Selbst wenn der Geist stark ist und Familie und Nachbarn die Schreie aus dem heimischen Werkraum tapfer ertragen: Die Kultur der Reparatur erfordert in letzter Konsequenz, den Job deutlich zu reduzieren. Damit mehr Zeit ist für den kaputten Föhn oder die streikende Mikrowelle. Erzählen Sie das mal Ihrem Chef ...