Ernst Fehr, Wirtschaftsprofessor an der Universität Zürich, verstand die ganze Aufregung nicht. Da hatte er dafür gesorgt, dass seine Alma Mater eine Rekordspende von 100 Millionen Franken erhielt, und die beiden Journalisten, die ihn nun interviewten, sahen nicht die Chancen, die dieser Geldregen bedeutete. Nein, sie wollten mit ihm nur über die Gefahren sprechen. Also sagte Fehr etwas mürrisch: "Natürlich ist das auch Marketing, aber was ist schlecht daran, wenn jemand für gute Taten Lorbeeren erntet?"

Das war im vergangenen März. Eine Woche zuvor hatte die ZEIT einen Aufruf von 27 europäischen Professoren und Publizisten veröffentlicht. In ihrem Zürcher Appell kritisierten diese den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf die Universitäten. Ein besonderer Dorn im Auge waren ihnen die geheimen Sponsoringverträge. Auch jener der UBS mit der Universität Zürich.

Die ZEIT und die WoZ hatten bereits im Frühjahr 2012, als die 100-Millionen-Franken-Spende für das UBS Center for Economics in Society publik wurde, ein Begehren auf Einsicht in den Vertrag gestellt. Vergangenen Oktober setzte die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen dem anderthalb Jahre dauernden Seilziehen ein Ende: Die Uni Zürich muss große Teile ihres Sponsoringvertrags mit der Großbank UBS offenlegen.

Nun liegt dieser teilentschwärzte Vertrag vor. Und er beweist: Die UBS hat sich mit ihrer Spende die Universität gefügig gemacht.

"Es gibt in unserem Fall keinen Interessenkonflikt. Meine Forschung interessiert die UBS gar nicht. Ich mache neuroökonomische Forschung", sagte Ernst Fehr im Interview mit der ZEIT. Auch die Verantwortlichen von Uni und UBS betonten immer wieder, es sei nicht die Bank, die sich hier engagiere, sondern die UBS Foundation. Der Sponsoringvertrag spricht aber eine andere Sprache.

Darin lässt sich explizit die Großbank UBS – nicht die Stiftung – vertraglich versichern, dass sie in "vernünftiger Weise" von den Aktivitäten am UBS Center profitiert. So erhalten UBS-Angestellte und ausgewählte Kunden einen privilegierten Zugang zu den Veranstaltungen des UBS Center. Die Forscher am UBS Center sollen sich regelmäßig mit Spezialisten der Bank austauschen. Und die von der UBS Foundation gesponserten Professoren verpflichten sich, am jährlichen UBS International Economic Forum teilzunehmen.

Um das Millionenengagement der Bank breiter bekannt zu machen, soll auch die Universität in ihrer Öffentlichkeitsarbeit wenn immer möglich auf das Sponsoring verweisen. Sie stellt dem UBS Center auch einen Hörsaal zur Verfügung, der fortan den Namen UBS International Center Hörsaal tragen soll.

Der Vertrag ist der Bank aber nicht genug. Sie hat sich mit ihren Millionen das Recht erkauft, einen ihrer Verwaltungsräte im Beirat des Department of Economics der Universität zu platzieren. Ein Universitätsinstitut, das notabene aus Steuergeldern finanziert wird. Dies reflektiere die Bedeutung des UBS Center am Department – so steht es im nun vorligenden Papier.

Der wichtigste Punkt in diesem 24-seitigen Vertragswerk ist aber die Nummer 10. Er heißt: "Exclusivity". Und meint genau das. Die Uni Zürich darf im Bereich der Wirtschaftswissenschaften kein Sponsoring für ein Institut oder Research Center annehmen, das ähnlich groß ist wie jenes der UBS. Zugelassen ist nur mehr das Sponsoring von einzelnen Lehrstühlen.

"There is no free lunch." Nichts ist umsonst, sagte einst der große Ökonom Milton Friedman. Das gilt auch für die Universität Zürich. Sie machte sich für 100 Millionen Franken einer Schweizer Großbank hörig.

Die Freiheit von Forschung und Lehre sei gewährleistet, wiederholten Uni und UBS gebetsmühlenartig. Der nun publizierte Vertrag lässt daran zweifeln.