Das Käseparadoxon ist ein ungelöstes Rätsel der Menschheit. Es gilt ja: je mehr Käse, desto mehr Löcher. Es gilt aber auch: je mehr Löcher, desto weniger Käse. Heißt das also: je mehr Käse, desto weniger Käse?

Für die korrekte Antwort lobe ich eine Scheibe Höhlenkäse aus. Diese Sorte besitzt für die Käsetheke eine ähnliche Funktion wie der Hipster für Berlin-Mitte: Er prägt das Erscheinungsbild seiner Gattung, erfindet sich immer wieder neu und ist deshalb von Interesse.

Zuletzt erfunden wurde der Höhlenkäse angeblich in dänischen Kalksteinhöhlen, und weil das bei Kunden offenbar gut ankommt, zieren "Höhlen"-Zusätze mittlerweile zahlreiche Käseprodukte. In deutschen Supermärkten scheint es keinen Käse mehr zu geben, der noch oberirdisch hergestellt wird. Ein tolles Marketing, denn so lassen sich industrielle Massenprodukte psychologisch mit der guten alten Zeit verbinden, in der alles besser war und wir alle noch in Höhlen wohnten.

Schön ist auch die Umschreibung: "gereift im Keller der Natur". Ich habe so einen Keller mal besucht, das war eine Tropfsteinhöhle im Sauerland. Ehrlich gesagt, ist die Natur nicht besonders ordentlich. Feucht läuft es die Wände herunter, ein glitschiger grüner Biofilm hat sich gebildet, an der Decke hängen Fledermäuse. Das steht natürlich nicht auf der Käsepackung.

Lebensmittelhygienisch auf Vordermann gebracht und großindustriellen Bedürfnissen angepasst, dürften Höhlen schnell ihren natürlichen Charakter einbüßen und mehr an moderne Kühlhallen erinnern. Nur würde wohl niemand "Hallenkäse" auf die Packung drucken.

Was bleibt, ist etwas Hohlraumfolklore für Supermarktkunden. Wetten, dass bei einer Blindverkostung kaum einer den Unterschied herausschmeckt zwischen einem orberirdisch und einem unterirdisch gefertigten Käse? Ansonsten sind Höhlen ja auch bloß Löcher im Boden. Es gilt also zusätzlich: je mehr Löcher, desto mehr Käse – was die Auflösung des Käseparadoxons nicht gerade leichter macht.