Manchmal wird sogar behauptet, eine Erkältung sei nur während der Inkubationszeit ansteckend, also wenn der Infizierte selbst noch gar keine Symptome verspürt. Viele Erkältete gehen triefnasig zur Arbeit und glauben, keine Gefahr mehr für ihre Umwelt darzustellen. Aber das ist Unsinn.

Darauf kann man eigentlich schon mit ein bisschen Nachdenken kommen. Wie wird eine Erkältung oder auch eine Grippe verbreitet? Über Körperflüssigkeiten, die Viren enthalten.

Während der Inkubationszeit sind die Erreger damit beschäftigt, sich im Körper des nichts ahnenden Wirts auszubreiten. Der niest und hustet in dieser Zeit auch noch nicht, versprüht also wenig Sekret aus Nase und Rachen. Die Infektionsgefahr für andere ist in dieser Phase eher gering.

Sobald aber die Erkältungssymptome auftreten, werden die Viren in die Umgebung geschleudert. Und das bleibt auch während des gesamten Krankheitsverlaufs so. Selbst wenn die Symptome abgeklungen sind, können sich noch Restviren im Körper befinden.

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Nun kann nicht jeder, der ein bisschen erkältet ist, zwei Wochen zu Hause bleiben, um keinen anderen anzustecken. Das ist zum Glück auch nicht notwendig. Denn Rhinoviren sind, im Gegensatz zu echten Grippeviren, nicht hochansteckend. Sie müssen in die Schleimhäute von Nase oder Augen gelangen, im Mund können sie nicht viel anrichten. Man kann deshalb Erkältete sogar relativ gefahrlos küssen.

Und wenn jemand am anderen Ende des Raums niest, dann kommt der Virenschwall nicht weit, weil die Erreger sich an Tröpfchen heften, die schnell zu Boden fallen. Am ehesten nimmt man Viren auf, wenn sie irgendwie an die eigenen Hände gelangen und man sich dann an Augen oder Nase fasst. Wer sich das verkneift und sich regelmäßig die Hände wäscht, hat gute Chancen, der Infektion zu entgehen.

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