Bei Albert Mangelsdorff kann man von "wiederentdeckt" nicht sprechen. Wenn schon eine Kategorie für diesen höchst eigenen Musiker, dann "unvergessen". Er starb im Jahre 2005 in seiner Heimatstadt Frankfurt nach einer Karriere, die mehr als fünf Jahrzehnte umspannte und ihn vom Radio-Tanzorchester des Hessischen Rundfunks hoch zum Gipfel des Free Jazz führte und von dort wieder hinab in unerforschtes Terrain. Er orientierte sich auf seinen Expeditionen am Gesang der Vögel, und wenn er zu einem Solo(!)konzert auf die Bühne kam, dann hörte das Publikum schon Musik, bevor er die Posaune an die Lippen setzte, so stark war seine Aura. Das Berliner Jazzfest hat er dann auch noch geleitet.

Wiederentdeckt und frisch herausgekommen als Vinyl und Download ist diese Aufnahme mit seinem Quintett aus dem Sommer 1964. Heinz Sauer und Günter Kronberg an den Saxofonen, Günter Lenz am Bass und Ralf Hübner am Schlagzeug. Gerade zurückgekehrt von einer umjubelten Asientournee des Goethe-Institutes, spielen sie im Audimax der Universität Freiburg einen Hardbop, der mit Melodien und Rhythmen aus Indien, Thailand und Malaysia getränkt ist. Die eine oder andere Wendung mag heute etwas brav klingen, aber im Ganzen ist dies fantastischer Jazz. Erste Weltmusik für ein Nicht-mehr-Nazi-Deutschland, erster deutscher Jazz für eine Welt, die von diesem Land eigentlich gar nichts mehr hören wollte.

Albert Mangelsdorff Quintett: Live at Audimax Freiburg, June 22, 1964

(SWR/Arthaus Musik)