ZEITmagazin: Herr Musk, Ihre Firmen sind zukunftsweisend: Tesla baut Elektroautos, SpaceX hat soeben einen Kommunikationssatelliten ins All geschickt. Was zeichnet einen guten und visionären Unternehmer aus?

Elon Musk: Vor allem muss man zusammen mit seinem Team Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, die für Menschen sinnvoll sind. Du musst dich ständig vergewissern, dass du den richtigen Weg eingeschlagen hast. Und du musst immer bereit sein, dir Kritik anzuhören.

ZEITmagazin: Verletzt es Sie nicht, wenn andere Ihre Gedanken und Pläne kritisieren?

Musk: Nein. Ich frage immer wieder nach: Was machen wir falsch, wie können wir etwas verbessern? Man bekommt negatives Feedback nur, wenn man danach fragt. Es ist doch ein großes Geschenk, wenn mich jemand auf Fehler hinweist. Jede Firma, die nicht so handelt, ist dumm.

ZEITmagazin: Kennen Sie die Angst vor dem Scheitern?

Musk: Ich versuche, mich da nicht hineinzusteigern, aber es gab lange eine konstante und berechtigte Angst vor dem Scheitern. Über einen Zeitraum von drei Jahren standen wir immer wieder kurz vor dem Aus. Erst jetzt sind wir mit Tesla auf einem erfolgreichen Weg. Wenn wir alles tun, was wir können, und dennoch am Ende scheitern, dann kann ich damit leben. Ich möchte nur nicht rückblickend sagen müssen, wir hätten mehr tun können.

ZEITmagazin: Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, in Elektroautos zu investieren?

Musk: Während meines Studiums hat es mich überrascht, dass es keine Elektroautos gab, die wirklich gut funktionierten. Ich war mir sicher, dass Elektroautos die Zukunft sind. Darum wollten wir mit Tesla ein nachhaltiges und schönes Elektroauto mit einer hohen Leistung und einfacher Benutzung entwickeln. Ich habe vorher nicht mal eine Marktanalyse gemacht, mein gesunder Menschenverstand reichte mir. Und weil die großen Automarken keine überzeugenden Elektroautos produzierten, sah ich eine Chance für ein Start-up-Unternehmen. Trotzdem dachten wir, als es mit Tesla losging, dass wir scheitern würden. Wir glaubten nicht an den Erfolg.

ZEITmagazin: Ist für Unternehmer nicht die Aussicht auf Erfolg der eigentliche Antrieb?

Musk: Wer so denkt, ist realitätsfern. Die meisten Unternehmen scheitern. Am Anfang steht die Begeisterung, aber wenn kurze Zeit später die ursprünglichen Pläne nicht funktionieren, wird es schwierig. Dann folgt eine lange, schmerzhafte Phase, die die meisten Unternehmen nicht überleben. Es ist wie ein Wettlauf mit dem Tod.

ZEITmagazin: Wann hatten Sie das Gefühl, vor dem Aus zu stehen?

Musk: Oft. Vor allem zwischen 2007 und 2009 war es sehr schwierig. Natürlich hat uns die Wirtschaftskrise getroffen, sogar starke Firmen wie Daimler waren knapp bei Kasse und General Motors und Chrysler insolvent. In so einer Zeit ist es für Start-ups noch schwieriger.