An der Frankfurter Goethe-Universität gibt es neuerdings ein "Welcome Centre". Hier werden ausländische Wissenschaftler bestens umsorgt, egal, ob sie eine Wohnung suchen oder einen romantischen Ausflug in den Rheingau machen wollen. Ein Angebot, das nur wenige Unis in Deutschland haben. "Wir hätten uns das aus dem normalen Haushalt nicht leisten können", sagt der Präsident der Universität, Werner Müller-Esterl. Finanziert wurde das Center mit einer Spende von der Santander Bank in Höhe von 340.000 Euro. Die Bank will damit den internationalen Austausch von Wissen fördern. Aber sicher auch das eigene Image.

An der Uni, an der linke Gruppen bis vor Kurzem noch ein Institutsgebäude besetzt hielten und Veranstaltungen gegen Kapitalinteressen organisierten, sorgte die Spende der spanischen Bank nun keineswegs für Unruhe. Proteste von Studenten blieben aus. Und Präsident Müller-Esterl ist froh über die Spende: "Für alles, was wir mehr bieten wollen, müssen wir zusätzliches Geld akquirieren." Ohne Zustiftungen von privater Seite könnten noch nicht einmal neue Professuren eingerichtet werden.

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, das hierzulande immer etwas schwieriger war als in anderen Ländern, entspannt sich zusehends. "Die Hochschulen sind offener geworden und verstehen sich zunehmend als Partner der Unternehmen", sagt Markus Lecke, der bei der Deutschen Telekom für Hochschulkooperationen zuständig ist.

Es ist allerdings keine plötzlich erwachte Liebe zur Industrie, die diese Offenheit bewirkt. Sie folgt vielmehr der Finanznot der Hochschulen. Obwohl Bund und Länder im vergangenen Jahr knapp 25 Milliarden Euro für akademische Bildung ausgaben, sind die deutschen Universitäten überfüllt und unterfinanziert. Mit den staatlichen Mitteln lassen sich die Aufgaben in Lehre und Forschung kaum noch bewältigen; von Zusatzangeboten wie einem Welcome Centre ganz zu schweigen.

In diese Lücke springen nun die Unternehmen. Insgesamt 2,5 Milliarden Euro haben Firmen im vergangenen Jahr in Studium, Lehre und Studenten investiert; das sind 328 Millionen Euro mehr als drei Jahre zuvor. Damit gibt die Industrie mehr für die Lehre aus als für die universitäre Forschung. Das belegt eine jetzt vorgelegte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.

Kaufen sich die Unternehmen mit dem Geld Studenten und Universitäten?

Das Engagement der Unternehmen ist zumindest nicht ganz uneigennützig. Die Verantwortung für den Bildungsstandort Deutschland, sagen die befragten Unternehmen, spielt nur für jeden zweiten von ihnen eine Rolle. Sie finanzieren zumeist das, was ihnen nutzt.

Es geht den Firmen vor allem darum, spezielle Fachrichtungen zu stärken sowie geeignetes Personal zu finden und an sich zu binden. Die Unternehmen wollen sich ihren Nachwuchs sichern, indem sie gezielt einzelne junge Menschen mit Stipendien, Praktika oder in dualen Studiengängen unterstützen.

Die Hochschulen sind für Unternehmen ein wichtiger Partner, denn sie vermitteln das Wissen für Innovationen, und sie bilden den Nachwuchs aus für Banken, Kanzleien, Autozulieferer und Softwareschmieden. Mit dem wachsenden Fachkräftemangel ist auch das finanzielle Engagement der Firmen gestiegen.