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Gregor Gysi, 65, ist Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag

Ich sage es mit den Worten eines anderen: Liebe ist nicht 100 Prozent, Liebe ist alles!

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Yoko Ono, 80, ist Künstlerin und die Witwe von John Lennon

Man fühlt sich wohl, ohne sich darum bemühen zu müssen. Wenn man sich darum bemühen muss, nicht man selbst zu sein, wenn man sich verstellen muss, dann handelt es sich nicht um Liebe. Liebe heißt, sich nicht verstellen zu müssen. Aber es ist sehr schwer, jemanden zu finden, bei dem das zutrifft.

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Michael Thalheimer, 48, ist ein deutscher Theaterregisseur

ZEITmagazin: Herr Thalheimer, gibt es Liebe?

Michael Thalheimer: Es muss Liebe geben. Weil jeder Einzelne sie braucht. Zumindest als Ort, den es nicht gibt. Sonst wäre diese Welt zu trist, zu traurig, zu grau, zu kalt.

ZEITmagazin: Ähnlich könnte man Gott definieren.

Thalheimer: Gott ist genauso wenig definierbar wie die Liebe. Und vielleicht brauchen wir trotzdem beides als Utopie. Als Gedanken, dass es außerhalb von uns selbst einen Wert gibt, nach dem wir streben können. Der uns nicht alleine lässt mit Entscheidungen und großen Sinnfragen. Vielleicht ist die Liebe eine solche Instanz.

ZEITmagazin: Die Existenz der Liebe lässt sich nicht beweisen ...

Thalheimer: ... obwohl es das Wort vom "Liebesbeweis" gibt.

ZEITmagazin: Was wäre das zum Beispiel für Sie?

Thalheimer: Ein Liebesbeweis hat immer etwas mit Verzeihen zu tun, mit Verwundung und Schmerz. Dass ein Gegenüber den Fehler, den man begangen hat oder der in der eigenen Persönlichkeit begründet liegt, verzeihen kann. Über Dinge hinwegschauen zu können, so verstehe ich den Liebesbeweis.

ZEITmagazin: Was gefährdet die Liebe?

Thalheimer: Die Liebe ist sehr launisch. Das einzig Beständige an ihr ist der Wandel. Man sollte sich sicher sein, dass es kein dauerhafter Zustand ist. Deshalb ist der größte Feind der Liebe der Versuch, sie zu konservieren. Das Gegenteil von Freiheit ist der Feind der Liebe. Das Begrenzende.

ZEITmagazin: Warum gelingt es einigen, die Liebe am Leben zu erhalten – und anderen nicht?

Thalheimer: Man kann sehr vieles am Leben erhalten, was zur Liebe gehört – Fürsorge, Aufmerksamkeit, das Schenken von Zeit, Gefühl und Verantwortung. Die Summe all dessen könnte man Liebe nennen. Aber ich kenne keine Menschen, von denen ich sagen würde: Mein Gott, Respekt, die halten die Liebe am Leben.

ZEITmagazin: Wirklich kein einziges Beispiel?

Thalheimer: In Michael Hanekes Film Liebe gehen zwei Menschen so weit, dass ich an die Existenz ihrer Liebe glaube. Diese zwei Menschen geben sich das Versprechen über den Tod hinaus. Aber es ist eben nur ein Film, in der Wirklichkeit kenne ich niemanden. Das finde ich nicht traurig, nur realistisch. Eine solche Liebe in der heutigen Zeit zu leben wäre provokant, denn damit stellt man sich außerhalb der Gesellschaft, des Kontextes. Der Mensch, der glaubt zu lieben, ist schnell in Gefahr, durch die Liebe, die er gibt, etwas einzufordern. Über meine Kinder habe ich eine neue Art von Liebe kennengelernt: Als Vater spüre ich eine viel reinere Qualität. Diese Form von Liebe ist das Selbstloseste, was ich kenne. Weil ich erst mal nichts erwarte. Liebe ist gänzlich altruistisch, sie sollte nur geben und schenken.

ZEITmagazin: Ihre Inszenierungen drehen sich fast ausnahmslos um die Unmöglichkeit von Gefühlen. Kann man sagen, Sie suchen auf der Bühne die Liebe?

Thalheimer: Als Regisseur bleibe ich Geschichtenerzähler. Aber es ist wahr: In den Klassikern, vor allem in den bürgerlichen Trauerspielen, stehen meistens Individuen im Zentrum, die versuchen, ihre Liebe zu erhalten oder zumindest gegenüber der Gesellschaft zu verteidigen. Meist verliert die Liebe. Oder sie bleibt als Utopie. Der Liebende geht fast immer zugrunde.

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Wolfgang Kubicki, 61, ist FDP-Politiker

Liebe hat viele unterschiedliche Facetten. Sie allein aufs Emotionale zu reduzieren würde ihr deshalb nicht gerecht werden.