Wie man in Benin zum Deutschlehrer wird? Das ist eine Frage der Alternativen. Ich besuchte als Bub ein kleines Priesterseminar. Mein Mathematiklehrer hatte keine Zeit für mich. "Christophe", sagte er immer, "du wirst das nie lernen, es ist sinnlos, streng dich gar nicht erst an." Das war schockierend, der Mann war Priester, da erwartet man doch Empathie. Ich war entmutigt und konzentrierte mich auf die Sprachen. Englisch, Latein, Deutsch. Wir hörten als Schulkinder so viel Gutes über die Deutschen, das hat mich sehr beeindruckt. Beim Fußball sahen wir, wie die Deutschen bis zur letzten Sekunde kämpfen. Wir haben auch die negativen Seiten gesehen. Damals dachte ich: Diese tollen Leute solltest du einmal kennenlernen.

Ein Freund meiner Eltern war Priester und hatte mit Christoph Schönborn studiert. Dieser Pater Bartholomäus segnete den Bauch meiner Mutter, als ich noch drin war. Mein Weg schien also vorgezeichnet. Ich erkannte dann aber, dass ich nicht zum Priester geeignet bin. Mein Vater war enttäuscht. Ich studierte Germanistik. Um eine Diplomarbeit schreiben zu können, mussten wir ein Auslandsstipendium organisieren. Das dauerte natürlich. Deshalb arbeitete ich als Journalist, als Religions- und als Deutschlehrer, bis die Zusage aus Passau kam. Dort konnte ich ein Jahr lang meine Arbeit über Kafka schreiben. Über diesen Umweg kam ich nach Wien, wo meine Frau, die aus der ungarischen Minderheit in Rumänien stammt, an der Technischen Uni arbeitet.

Jetzt würde ich gerne das Doktorat schaffen. Ich untersuche die sozialkritische Funktion des Schwarzen in der deutschsprachigen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg.