Mehr Effizienz sorgt für mehr Wohltätigkeit,

findet Arne Storn

Die Meldung ist nur ein paar Zeilen lang und doch eine Sensation: Der Vatikan holt sich McKinsey ins Haus – weltweit die Unternehmensberatung schlechthin. Ihre Experten gelten als Kostenkiller und Hohepriester des Kapitalismus. Nun sollen sie der Kommission helfen, die Papst Franziskus Vorschläge zur Reform der Vatikanfinanzen unterbreiten soll. Und das nur Wochen, nachdem Franziskus das System Kapitalismus scharf kritisiert hat.

Es ist ein Eingeständnis, dass die katholische Kirche mehr ist als nur eine Glaubensgemeinschaft. Ökonomisch gesehen ist sie längst ein Multimilliardenkonzern. Es ist konsequent, wenn sie sich in Finanzfragen auch wie ein Konzern verhält.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Wer einmal durch die Flure der Vatikanbank oder der Präfektur für die ökonomischen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls gegangen ist, wer einmal versucht hat, die Strukturen der Vatikanfinanzen zu verstehen und dabei selbst bei Insidern in Rom auf mehr Fragen als Antworten stieß, der weiß, dass es moderner Strukturen und mehr Transparenz bedarf.

Tradition ist wichtig, gewiss, aber angesichts der Summen, um die es geht, ist vieles dort nicht mehr zeitgemäß. Und gerade die Kirche muss den Ansprüchen guter Führung genügen. Gleiches gilt für Deutschland: Der Finanzskandal von Limburg und die Debatte über die Vermögen der Bistümer haben gezeigt, dass die Kirche intern die Kontrolle und extern die Kommunikation verbessern muss.

Vor allem aber muss sie erfassen, offenlegen und neu ordnen, was ihr gehört. Dazu zählen Tausende Hektar Land und Wald, zahllose Immobilien, häufig in besten Lagen, Firmen mit riesigen Umsätzen. Allein schon die 24,3 Millionen Mitglieder, die Kirchensteuer zahlen, haben ein Anrecht darauf – ganz wie die Aktionäre eines Konzerns.

Ökonomisch zu denken heißt im Fall der katholischen Kirche, Mittel für ihre Mission freizusetzen, die im Dickicht unzähliger Körperschaften verloren gehen oder versickern. Es heißt auch, sich (wieder) auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Liebe rechnet nicht,

findet Evelyn Finger

Nicht alles, was Beratung braucht, ist schon ein Unternehmen. Und nicht alles, was Geld erwirtschaftet und eine weltweite Zentrale besitzt, ist schon ein Konzern.

Seit die Kirche sich selbst in Misskredit gebracht hat durch ihre Geldgier – also mindestens seit dem Ablasshandel im Mittelalter, als man den "Gnadenschatz" Gottes für bare Münze verkaufte –, seither hängt ihre Glaubwürdigkeit vom schnödesten aller Themen ab. Zuletzt schien es, als sei insbesondere die katholische Kirche ein korrupter Laden. Erst musste Papst Benedikt Finanzprüfer aus Straßburg in den Vatikan holen. Jetzt kommen auf Geheiß von Papst Franziskus auch noch die Berater von McKinsey.

In Rom treiben sie den Teufel mit dem Beelzebub aus. Vielleicht wird ein bisschen McKinsey dem ältesten Global Player nicht schaden. Und bestimmt werden die Journalisten den Vatikan noch öfter eine Konzernzentrale nennen. Trotzdem ist die Kirche kein Konzern.

Ihr Ziel heißt nicht Gewinn. Sie existiert nicht um des Geldes, sondern um Gottes willen. Sie dient nicht dem Erfolg, sondern dem Menschen. Das ist ihr Auftrag. Um ihn zu erfüllen, braucht sie manchmal auch Vermögen. Doch Vermögensbildung ist für sie kein Selbstzweck. Mit den Worten des katholischen Unternehmensberaters Edgar Büttner: "Die Kirche soll ihre Mittel nicht für sich verwenden, sondern für einen höheren Zweck."

Sonst verrät sie ihre Botschaft. Die besagt, dass jeder Mensch von Gott bedingungslos angenommen sei. Dass jeder der Liebe teilhaftig werden könne, ohne Ansehen seiner Erfolge. Wie es im Korintherbrief heißt: Die Liebe sucht nicht ihren Vorteil. Sie rechnet nicht, eifert nicht, bläht sich nicht auf.

Man muss das nicht glauben. Man kann es sentimental finden, weltfremd, unrentabel und ineffizient. Wenn es effizient wäre, wäre es vielleicht konzernfähig. Aber wenn die Kirche ein Konzern wäre, wäre sie keine Kirche mehr.