Das Neue kommt lautlos daher. Ein paar Klicks auf das Smartphone, und das Bier ist bezahlt. 2,50 Euro kostet es im Room77, einer Bar in Berlin-Kreuzberg. Viele junge Menschen aus vielen Ländern zieht es dorthin, mit Vollbärten, Turnschuhen, Wollpullis und immer mit einem Smartphone, griffbereit auf dem Tisch neben dem Bier. 2,50 Euro, das sind an diesem Abend 0,00503621 Bitcoins. Die virtuelle Währung* ist angesagt in Berlin. Jörg Platzer, der Inhaber der Bar, ist überzeugt: Bitcoins werden unsere Art zu bezahlen verändern.

Im Januar 2009, vor fünf Jahren, kamen die ersten Bitcoins in Umlauf. Sie zu benutzen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dabei funktioniert dies wie ein Währungstausch und eine Überweisung: In Wechselstuben, die meisten davon natürlich online, tauscht man Euro gegen Bitcoins und steckt den Betrag in eine Art virtueller Geldbörse. Um zu bezahlen, überweist man dann mithilfe von Apps den Betrag an die Bitcoin-Adresse des Empfängers. Wer will, kann seine Bitcoins in den Wechselstuben später wieder zurück in Euro tauschen.

Bitcoins sind relativ anonym, weil man sich – anders als bei einem Bankkonto – nirgendwo mit echtem Namen oder echter Adresse registrieren muss. Bisher wird die Digitalwährung vor allem im Internet genutzt. Kleine Webdesigner, Computerspielverkäufer, Programmierer oder Online-Börsen für Kleidung, Musik und Bücher akzeptieren sie, aber auch 9flats, eine bekannte Plattform zur Vermittlung von Privatunterkünften, ist dabei. Sogar eBay-Chef John Donahoe erwägt, Bitcoins anzunehmen. Allerdings wird die Währung auch gern dort verwendet, wo niemand einen Kauf nachverfolgen soll: auf dem Schwarzmarkt. Silk Road, eine Internetplattform für Drogen und Waffen, wurde zwar vom FBI geschlossen, andere Websites aber haben dieses Erbe bereits wieder angetreten.

Außerhalb des Netzes muss man nach Möglichkeiten, Bitcoins zu verwenden, lange suchen. In Kreuzberg haben einige Läden den Bitcoin-Kiez gegründet. Auch Platzers Room77 ist dabei. 10 bis 20 Prozent seiner Gäste bezahlten mit Bitcoins, sagt er.

Platzer hat vor Kurzem den Bundesverband Bitcoin mitgegründet, er ist damit so etwas wie der oberste Lobbyist der virtuellen Währung in Deutschland. Es gibt viele offene Fragen, die vielleicht wichtigste lautet: Was sind Bitcoins eigentlich? Das Bundesfinanzministerium stuft sie als "privates Geld" ein, das im privaten Bereich verwendet werden darf. China hingegen ist restriktiver und hat Anfang Dezember Banken den Handel mit Bitcoins verboten.

Lobbyist Platzer glaubt, dass Bitcoins sich weiter verbreiten. "Die Menschen werden das Vertrauen in herkömmliche Währungen verlieren", sagt er – und schimpft. Auf Zentralbanken, die Inflation erzeugten. Auf Politiker, die von Schuldenabbau redeten, aber das auf Pump finanzierte System weiter trieben. Und auf Banken, die Kunden ausnähmen und Zinssätze manipulierten. Platzer ist überzeugt, dass unser Finanzsystem zusammenbrechen wird. Andere horten für den Fall, dass es so kommt, Gold oder Lebensmittel, Platzer setzt auf Bitcoins.

In der Welt der Bitcoins gibt keine zentrale Instanz, die über die Währung wacht, so wie die Europäische Zentralbank (EZB) über den Euro wacht. Stattdessen betreiben einige Bitcoin-Nutzer gemeinsam eine Datenbank, die alle Überweisungen speichert, damit kein Bitcoin mehrfach eingesetzt werden kann. Es sind also nicht einige wenige, sondern viele, die die Währung kontrollieren.