Michael Schumacher : Egoistisch und fürsorglich

Was macht einen Rennfahrer stark? Niki Lauda über seinen Freund Michael Schumacher.

DIE ZEIT: Was hob den Rennfahrer Michael Schumacher heraus?

Niki Lauda: Sein Naturtalent, sein Killerinstinkt, ich nenne es wirklich so, das Streben, besser zu werden.

ZEIT: Haben Sie ihn jemals schwach erlebt?

Lauda: Seine einzige Schwäche lag darin, emotional aus Trotz Dinge anders darzustellen, als sie wirklich waren. Erinnern Sie sich an den Vorfall in Monte Carlo? Michael wurde vorgeworfen, das Training behindert zu haben. In seiner ersten Reaktion sagte er nicht die Wahrheit. Das war einer dieser Momente. Als der Trotz verschwunden war, korrigierte er seine Aussage. Ohne diese knallharte Ehrlichkeit gegenüber sich selbst wäre er nie so erfolgreich gewesen.

Niki Lauda

63, geboren in Wien, war früher Rennfahrer, zwischen 1971 und 1985 startete er in der Formel 1. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring 1976 verunglückte er schwer, aber überlebte.

ZEIT: Welche Seite von Michael Schumacher wurde zu wenig beachtet?

Lauda: Rennfahrer sind brutale Egoisten – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber Michael hat immer die Balance zwischen Familienfürsorge und dem notwendigen egozentrischen Leben gefunden. Das hat keiner so richtig gesehen. Er ist ein absolut liebenswerter, bodenständiger Mensch. Michael hat sich nie etwas gekauft, um anzugeben. Sein Ziel lautete immer, das tun zu können, was er will.

ZEIT: Was macht ihn glücklich?

Lauda: In seiner aktiven Zeit war es der Erfolg. Das macht diesen Unfall so tragisch. Warum passiert das jetzt? Er ist gerade zum zweiten Mal in das Leben zurückkehrt, das ihn ausmacht: das Leben mit seiner Familie. Nun wird er da plötzlich herausgerissen, auf eine Weise, wie es jedem anderen Skifahrer auch passieren kann.

ZEIT: Was kann ihm jetzt helfen?

Lauda: Der liebe Gott. Er entscheidet Dinge, die wir nicht verstehen können. Ich kann mir in meiner Logik nicht erklären, warum Michael nicht als Rennfahrer verunglückte, sondern beim Skifahren mit seinem Sohn und Freunden. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit einer schlimmen Verletzung glaube ich trotzdem daran, dass da oben jemand ist, der versucht, ihm in dieser Situation zu helfen. Ich konnte mir damals selbst helfen, Michael kann momentan nichts tun.

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Kommentare

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Jedem das Seine

Selbstverständlich, der Herr Schumacher ist ein reicher Mensch. Und er und der Herr Lauda können meinetwegen auch an das fliegende Spaghettimonster glauben. Schließlich sind beide freie Menschen. Ich persönlich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass einem Gottvertrauen kaum weiterhelfen kann. Besonders nicht bei schweren Schädelverletzungen. Damit will ich jedoch niemandem in seinem persönlichen Glauben verletzen. Jedem das Seine.

Wer in solchen Situationen auf Gott verweist

sollte nicht vergessen, dass auch derjenige, in dessen Hand Schumacher sich jetzt befinden soll, auch bei dessen Sturz seine Hand im Spiel hatte. Das Schicksal Michael Schumachers hat sich entschieden, als sein Kopf auf den Stein geprallt ist. Wir wissen nur noch nicht, welche Richtung es nehmen wird. Ich wünsche Michael Schumacher, seiner Familie und seinen Freunden, dass diese Ungewissheit bald vorbei ist.

Die Logik eines Theisten, Part 2

Wenn ich die Wahl hätte zwischen, "ich weiß nicht wieso, aber das wurde von einem Gott erschaffen" und "die Theorie besagt, dass folgendes aus diesem und jenen Grund mit einer berechneten Wahrscheinlichkeit von 98,9% entstanden ist", wäre ersteres mit Sicherheit nicht die Wahl eines logisch denkenden Menschens.

Die Aussage, dass "wir" alles auf den Zufall schieben, hätte ich gerne nocheinmal näher von Ihnen anhand von Beispielen erläutert. Da bin ich mal gespannt. Aber immerhin schön, dass Sie zugeben gegen jede Logik, ohne jeglichen Beweis behaupten, dass ein göttliches Wesen uns erschaffen hat. Da bleibe ich lieber bei wissenschaftlichen Beweisen.

Schwache Schlussfolgerungen

Na, offensichtlich sind Sie ja sehr wohl auf ein solch "albernes" Spiel aus, wenn Sie die Unwissenheit der Wissenschaft mit der Unwissenheit der Religionen so fröhlich gleichsetzen. Da hat Sie wohl mehr als nur Ihr Leseverständnis im Stich gelassen.

Verknüpfen Sie nicht wahllos irgendwelche Aussagen von mir, das spricht nicht für Ihre Glaubwürdigkeit. Die Aussage meinerseits über die "98,8%ige Warscheinlichkeit" gehört zu einem anderen Kontext, das hat nichts mit der Entstehung der Erde zu tun. Soviel zum Thema lesen.

Abgesehen davon, wollen Sie mir jetzt allen Ernstes erzählen, dass es zur Erdentstehung keine stichhaltigen Theorien gibt, welche äußerst schwer zu widerlegen sind (schon gar nicht durch theistische Theorien?) Schon allein diese Aussage disqualifiziert sie von jeder Diskussion über ein solches Thema.

Den vorletzten Teil finde ich besonders amüsant. Ich vermittle nur in solchen Fällen absolute Gewissheit, wo ich auf stichhaltige Theorien bzw. Beweise hinter mir zählen kann, die meine Aussagen stützen, und gegen die religiöse Theorien keine Chance haben. Absolute Gewissheit kann niemand vermitteln, Wenn Sie aber trotzdem absolute Gewissheit suchen, können Sie sich jederzeit mit Theisten unterhalten.

Dafür, dass Sie solch große Töne über die Unwissenheit anderer spucken, war das gerade eine sehr schwache Vorstellung.

Kleiner Tipp: Mit fehlplatzierten, pseudoklugen konstruierten Sprüchen lassen Sie sich nicht intelligenter wirken.

Ergänzung

Selbstverständlich dürfen Sie mir soviele Agrar/Sozial/Wirtschaftswissenschaftler die an Gott glauben nennen, wie sie wollen, lach. Wissen Sie denn, wieviele Naturwissenschaftler nicht an Gott glauben? Glauben Sie mir, ich kenne mehr. Desweiteren sind deren Gründe, nicht an einen Gott zu glauben, schlüssiger als alles andere, sie zerreißen theologische Theorien förmlich in der Luft. Ist immer wieder amüsant soetwas zu erleben.

Sie haben mir übrigens immer noch nicht die Frage beantwortet, wieso jemand gesunden Geistes wissenschaftliche Beweise/Theorien NICHT den haltlosen/unbelegten Behauptungen der Religionen vorziehen soll. Vielleicht liegt es wirklich nur daran, dass Sie zwanghaft versuchen wissenschaftliche Theorien mit religiösen Theorien zu vergleichen. Theorie ist nicht gleich Theorie, das sollte allgemein bekannt sein.

Nikki Lauda hat es verstanden

Wenn ich mir an Kopf fasse, dann spüre ich mehrere Titanplatten in meiner nun etwas unförmigen Stirn. Ich spüre eine Narbe von Ohr zu Ohr, in der Mitte ein Loch im Kopf, das während einer 11-Stunden OP gebohrt werden musste. 6 Platten im Gesicht haben meinen Ober- und Unterkiefer zusammengehalten. Eine Hirnblutung trat "nur" am Anfang auf, die Knochensplitter aus der Hirnhaut mussten trotzdem entfernt werden.

Vor zwei Jahren hatte ich einen Fahrradunfall durch Materialfehler, der vom Genickbruch über Querschnittslähmung bis zu schweren Entstellungen im Gesicht hätte führen können. Und das mit 24 Jahren.

Zweifellos, die medizinische Versorgung war einwandfrei. Dennoch hätte ich diese Lebensphase ohne meinen Glauben und ohne Gottes Wunder nicht so gemeistert, wie ich es getan habe.

Ich bin bekennender Christ, ohne dabei fanatisch zu sein oder Mitmenschen etwas andrehen zu wollen, was sie selbst nicht glauben. Seien Sie so fair und gestatten Sie das auch Ihren Mitmenschen.

Das ist eine Sache des Respekts. Nikki Lauda hat das verstanden.

Ich kann nichts dafür

dass Sie mich nicht verstehen.

Ich sehe Naturwissenschaft nicht im Gegensatz zur Religion, ich zweifle keine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse aus religiösen Gründen an.

Insofern können Sie sich Ihren ganzen Sermon sparen.

Und zu Ihrem Absatz:
"Verknüpfen Sie nicht wahllos irgendwelche Aussagen von mir, das spricht nicht für Ihre Glaubwürdigkeit. Die Aussage meinerseits über die "98,8%ige Warscheinlichkeit" gehört zu einem anderen Kontext, das hat nichts mit der Entstehung der Erde zu tun. Soviel zum Thema lesen."

zitiere ich Sie einfach mal wörtlich:

"Wenn ich die Wahl hätte zwischen, "ich weiß nicht wieso, aber das wurde von einem Gott erschaffen" und "die Theorie besagt, dass folgendes aus diesem und jenen Grund mit einer berechneten Wahrscheinlichkeit von 98,9% entstanden ist", wäre ersteres mit Sicherheit nicht die Wahl eines logisch denkenden Menschens."

Ich denke, das beantwortet die Frage, wer hier Leseverständnisschwierigkeiten hat.

Nun zu Ihrem Schlussabsatz:
"Den vorletzten Teil finde ich besonders amüsant. Ich vermittle nur in solchen Fällen absolute Gewissheit, wo ich auf stichhaltige Theorien bzw. Beweise hinter mir zählen kann, die meine Aussagen stützen, und gegen die religiöse Theorien keine Chance haben. Absolute Gewissheit kann niemand vermitteln, Wenn Sie aber trotzdem absolute Gewissheit suchen, können Sie sich jederzeit mit Theisten unterhalten."

Fortsetzung

Ich kann nichts dafür II

Wenn Sie keine absolute Gewissheit haben, wie können Sie dann Menschen verunglimpfen, die eine andere Meinung vertreten?
Und wo habe ich geschrieben, dass ich absolute Gewissheit suche? Wenn Sie weiter diskutieren wollen, lesen Sie bitte, was andere schreiben und vor allem, was Sie selbst geschrieben haben. So ist das reine Zeitverschwendung.

Ach ja, eine Ergänzung haben Sie auch noch geschrieben.

Ihre Äußerung über Agrar etc Wissenschaftler ist ziemlich daneben. Der zitierte Werner Heisenberg war übrigens Physiker. Aber das wissen Sie als Experte natürlich, wahrscheinlich kannten sie ihn auch persönlich.

Ihre Schlussfrage ergibt keinen Sinn, da ich keinerlei theologische Theorie vertrete, die im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen steht.

Sie sind es, der ständig theologische mit naturwissenschaftlichen Theorien vergleicht, nicht ich.

Glauben ist Vertrauen

… und das ist eine persönliche Beziehungssache, die sich jeglicher Wertung und beurteilung von außen entzieht.

Glauben an Gott kann niemand wegreden.
Nicht-Glauben kann niemand zureden.

Ist Schumacher praktizierender Christ?
ich weiß es gar nicht.

Es wird aber viele Menschen geben, die für ihn beten.

Dass er in Gottes Hand bleibt, was auch immer passiert oder was kommt.
Kein Mensch kann das wissen.
Auch nicht die Ärzte.

… und ich bin sicher, sie geben ihr Bestes.

Keiner von uns kennt Zeit oder Stunde, wie lange unser Leben währt.