DIE ZEIT: Was hob den Rennfahrer Michael Schumacher heraus?

Niki Lauda: Sein Naturtalent, sein Killerinstinkt, ich nenne es wirklich so, das Streben, besser zu werden.

ZEIT: Haben Sie ihn jemals schwach erlebt?

Lauda: Seine einzige Schwäche lag darin, emotional aus Trotz Dinge anders darzustellen, als sie wirklich waren. Erinnern Sie sich an den Vorfall in Monte Carlo? Michael wurde vorgeworfen, das Training behindert zu haben. In seiner ersten Reaktion sagte er nicht die Wahrheit. Das war einer dieser Momente. Als der Trotz verschwunden war, korrigierte er seine Aussage. Ohne diese knallharte Ehrlichkeit gegenüber sich selbst wäre er nie so erfolgreich gewesen.

ZEIT: Welche Seite von Michael Schumacher wurde zu wenig beachtet?

Lauda: Rennfahrer sind brutale Egoisten – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber Michael hat immer die Balance zwischen Familienfürsorge und dem notwendigen egozentrischen Leben gefunden. Das hat keiner so richtig gesehen. Er ist ein absolut liebenswerter, bodenständiger Mensch. Michael hat sich nie etwas gekauft, um anzugeben. Sein Ziel lautete immer, das tun zu können, was er will.

ZEIT: Was macht ihn glücklich?

Lauda: In seiner aktiven Zeit war es der Erfolg. Das macht diesen Unfall so tragisch. Warum passiert das jetzt? Er ist gerade zum zweiten Mal in das Leben zurückkehrt, das ihn ausmacht: das Leben mit seiner Familie. Nun wird er da plötzlich herausgerissen, auf eine Weise, wie es jedem anderen Skifahrer auch passieren kann.

ZEIT: Was kann ihm jetzt helfen?

Lauda: Der liebe Gott. Er entscheidet Dinge, die wir nicht verstehen können. Ich kann mir in meiner Logik nicht erklären, warum Michael nicht als Rennfahrer verunglückte, sondern beim Skifahren mit seinem Sohn und Freunden. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit einer schlimmen Verletzung glaube ich trotzdem daran, dass da oben jemand ist, der versucht, ihm in dieser Situation zu helfen. Ich konnte mir damals selbst helfen, Michael kann momentan nichts tun.