Auf den ersten Blick geht es um Druckmaschinen, Fachbücher und Kugellager, doch die Geschichte dahinter handelt von der globalen Finanzwelt. Es sind kleine Beispiele, doch zusammen helfen sie, das große Ganze zu sehen. Und das große Ganze ist erschreckend.

Mitte Dezember: Heidelberger Druck, ein Maschinenhersteller mit 14.000 Mitarbeitern, erhält 51 Millionen Euro, indem er eine Hochzinsanleihe ausgibt. Das Unternehmen ist krisengeschüttelt, das Papier gilt daher als "Schrottanleihe". Sie läuft bis 2018 und wird von angelsächsischen Investoren gekauft. Im Gegenzug senkt Heidelberger Druck seine Kreditlinie bei Banken.

Im Sommer des vergangenen Jahres wird der Berliner Verlag Springer Science mit 7.000 Mitarbeitern von einem Finanzinvestor zum nächsten weitergereicht, für 3,3 Milliarden Euro. Laut Finanzkreisen wird der Deal teils mithilfe von Geldgebern gestemmt, die auf viele Klauseln verzichten, die ihnen Sicherheit gäben.

In Herzogenaurach verkauft der Wälzlagerhersteller Schaeffler Mitte 2013 Anleihen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage ist viel größer, und so gibt der Konzern mit 76.000 Mitarbeitern den Investoren teilweise Anleihen, bei denen die Zinsen statt jährlich in bar in Form neuer Anleihen gezahlt werden – fällig erst am Ende der Laufzeit, also viel später.

Drei Fälle. Eine Erkenntnis.

Vieles an den Finanzmärkten in Europa und vor allem in den USA erinnert an die irren Jahre 2006 und 2007, die Jahre vor dem großen Crash. Viele Akteure reiben sich derzeit die Augen, verfolgen staunend, ja ungläubig, wie Phänomene wiederkehren, die der Vergangenheit anzugehören schienen. Alles ist wieder da, in Dimensionen, die teils die der Boomjahre übersteigen. Das zeigen neue Zahlen für das Jahr 2013. Heidelberger Druck, Springer Science und Schaeffler sind also nur ein paar Beispiele von vielen.

Sie haben ein und dieselbe Wurzel.

Die Welt ertrinkt in einer Flut von Geld. Die Zinsen liegen nahe null. Banken, Investoren und Privatanleger suchen ständig nach Anlagemöglichkeiten, die ihnen wenigstens ein paar Prozentpünktchen Rendite bieten. Ihre Bereitschaft, größere Risiken einzugehen, steigt jeden Tag. Dies treibt die Kurse an den Aktienmärkten in die Höhe, aber auch das Geschäft mit Anleihen oder Krediten für Firmen nimmt zu. Kräfteverhältnisse verschieben sich von Gläubigern zu Schuldnern, vom Bankensektor zum Kapitalmarkt, und das ist brisant. Die Gefahr von Übertreibungen, massiven Korrekturen und Verwerfungen wächst. Wieder ist ein großes Spiel im Gange, und ob es dieses Mal gut ausgeht, weiß niemand. Klar ist aber: Die Flut steigt.

Wer das große Ganze verstehen will, muss dem Geld folgen. Alles beginnt bei den Notenbanken. Um die negativen Folgen der Finanzkrise in Grenzen zu halten und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, haben sie seit 2007 viele Billionen in die Märkte gepumpt und die Zinsen, zu denen sie Geld verleihen, gen null gesenkt. Die US-Notenbank Fed hat zwar begonnen, diesen Kurs sachte zu korrigieren. Aber das ändert wenig daran, dass sie weiter viel Geld in die Welt strömen lässt, indem sie sichere Papiere – im Wesentlichen Staatsanleihen – kauft und damit vom Markt nimmt. Bis die Fed beginnt, ihre Zinsen wieder anzuheben, dürfte mindestens das Jahr 2015 angebrochen sein.