Die Zinsen sind praktisch auf null, in Europa genauso wie in Amerika. Die öffentlichen Schulden sind vielerorts auf Höchstständen. Langsam kehrt nach der großen Krise das Wachstum zurück.

Alles egal, sagt der ehemalige amerikanische Finanzminister Larry Summers lautstark, der Westen wächst zu langsam und schafft zu wenige Jobs. Gemessen am Spargeld, wird zu wenig investiert. Diese Investitionslücke soll der Staat schließen, mit neuen Schulden für Straßen, Schulen, digitale Netze, sonst wird die Wirtschaft nicht flott und droht in ewiger Stagnation zu verharren.

Summers ist ein wichtiger Ökonom, man muss ihn ernst nehmen – anders als diejenigen, die sowieso immer mehr öffentliche Ausgaben fordern und sich jetzt zur Abwechslung einmal an den Starökonomen aus Harvard dranhängen.

Doch auch ein Summers irrte schon mal – zum Beispiel, als er die Deregulierung der Finanzmärkte in Amerika auf die Spitze trieb und damit der Krise Vorschub leistete. Viel spricht dafür, dass er diesmal mit seinen Vorschlägen zu weit geht.

In Amerika wurde bis zur Krise nicht etwa viel, sondern notorisch wenig gespart. Das Land hat für das Jetzt statt für die Zukunft gelebt und dabei enorme Werte geschaffen – bloß leider nicht für alle, sondern vornehmlich für die Reichen, die schnell reicher wurden (und werden). Es stimmt, die USA brauchen Geld für Investitionen. Doch sie müssen es sich dort holen, wo es liegt: bei den Wohlhabenden im Land.

Nur weil Präsident Obama damit bisher an der Opposition gescheitert ist, darf sich Amerika, das sich gerade erholt, nicht einfach in weitere Schulden stürzen. Das macht eine Staatsschuldenkrise nur wahrscheinlicher.

Und Europa? Fährt überall gut, wo Reformer der Wirtschaft neue Kraft verleihen. Spanien und Portugal etwa sind heute im internationalen Wettbewerb stärker als vor fünf Jahren. Und wer würde in Deutschland schon von anhaltender Arbeitslosigkeit und Stagnation reden?

Vergessen wir nicht: Noch vor Kurzem schienen die Staaten vor einem Schuldendesaster zu stehen. Mehr vom selben hilft da nicht. Aus der Krise kommt der Westen nur auf altmodische Art: Er muss sich neuen Wohlstand verdienen.