Ouadda ist ein völlig unbekannter Ort im Nordosten der Zentralafrikanischen Republik. Er liegt auf halbem Weg von der Hauptstadt Bangui nach Darfur im angrenzenden Sudan. Die Straße ist völlig unbefahrbar in der Regenzeit. Dort haben wir mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS im Jahr 2009 begonnen, internen Flüchtlingen zu helfen, aus den Wäldern zurückzukehren und sich wieder anzusiedeln. Wir haben mehrere Schulen gebaut und die Lehrer wieder ausgebildet. Die Menschen waren 2006 vor den Rebellen geflohen.

Der Imam des Dorfes bat den JRS, zu helfen, die heruntergekommene Moschee neu anzustreichen. Als Zeichen des guten Verhältnisses zwischen Christen und Muslimen und als Zeichen des Neuanfangs im Dorf unterstützten wir die Renovierung. Ich hätte nie gedacht, dass in der Zentralafrikanischen Republik einmal ein Konflikt zwischen Christen und Muslimen entstehen würde. Unsere eigentliche Sorge war immer, wie wir der Bevölkerung helfen, ihnen durch Bildung eine neue Perspektive zu geben. Zentralafrika und der benachbarte Südsudan gehören zu den unzugänglichsten und am wenigsten entwickelten Ländern Afrikas. Der Bildungsstand ist so niedrig, dass ich noch Rebellen begegnet bin, die glaubten, sich mit Zaubermuscheln vor Gewehrkugeln schützen zu können. Bodenschätze gibt es in Zentralafrika, ja viele Diamanten, aber die helfen der lokalen Bevölkerung wenig.

Die Katastrophe in Zentralafrika der vergangenen Wochen und Monate entspringt einem Zyklus von Rebellion und Gegenrebellion. Im Jahr 2003 übernahm der nun vertriebene Präsident Bozizé als Rebellenführer mit Unterstützung des Tschad die Macht. Die schwache Entwicklung des Landes konzentrierte sich auf die Hauptstadt und den Südwesten. Der Nordosten war völlig isoliert und vernachlässigt. Damit war die Saat für neue Unruhen gelegt.

Die überwiegend muslimische Bevölkerung im Nordosten begann eine neue Rebellion mit Hilfe aus Darfur, von den dortigen Dschandschawid-Milizen und dem Tschad. Zunächst haben sie die Kontrolle im Nordosten übernommen.

Schon 2012 verloren wir ein Auto an die Rebellen. Statt für humanitäre Hilfe wurde der Landcruiser zum Kriegsfahrzeug umgebaut. Das Team in Ouadda mussten wir schon im Juli 2011 abziehen und später auch das Team in Bria/Bambari.

Imame und Kirchenführer um Versöhnung bemüht

Seit die Seleka-Rebellen im März die Hauptstadt übernommen haben, ist jede humanitäre Arbeit im Landesinneren unmöglich geworden. Durch den stärkeren islamischen Hintergrund, ihre Zusammensetzung und auch ihr Verhalten gegen Einrichtungen der Kirchen, konnte der politische Machtkampf der verschiedenen Gruppe im Land schnell in einen religiösen Konflikt abgleiten. Auch die Anti-Balaka-Rebellen, die nun gegen die Seleka kämpfen, nutzen religiöse Motive, um durch Angst und Bedrohung ihre Anhänger hinter sich zu scharen. Die Religion wird für politische Ziele missbraucht, während allerdings Imame und Kirchenführer bemüht sind, die Menschen zum Frieden und zur Versöhnung zu bewegen.

Der Konflikt in Zentralafrika kann auf keinen Fall auf eine Konfliktlinie Christen gegen Muslime reduziert werden, auch wenn er diese Dimension angenommen hat. Die Unterentwicklung der ländlichen Gebiete, die Vernachlässigung bestimmter Regionen, das Fehlen von Bildung und demokratischen Prozessen der Machtübernahme sind ebenfalls Ursachen. Dazu kommt der Kontext der regionalen Politik, der Einfluss der Nachbarn, wo fast überall Konflikte ausgefochten werden, im Sudan, Südsudan, Kongo oder noch vor ein paar Jahren im Tschad. Eine internationale Dimension erhält der Konflikt durch die Bodenschätze in Zentralafrika.

Der Zyklus der gewaltsamen Machtübernahmen in Bangui muss durchbrochen werden, vielleicht hilft dabei eine internationale Intervention. Aber es ist ein Langzeitprojekt, die Bedingungen für Frieden und Entwicklung durch Bildung und Demokratie zu schaffen.