Eine Fabriketage in Bergisch Gladbach bei Köln. Hier arbeitet das verurteilte Fälscherpaar Helene und Wolfgang Beltracchi. Der Maler hat Freigang und ist gerade aus dem Gefängnis gekommen. Auf Staffeleien stehen Bilder: Unter anderem eines im Stil von Cézanne, ein anderes zeigt einen Wald im Stil von Max Ernst. Wolfgang Beltracchi hat die Bilder jüngst für einen französischen Fernsehbeitrag vor laufender Kamera gemalt. Durch die großen Fenster dringt das Winterlicht. Das Paar macht einen überaus gut gelaunten, entspannten Eindruck.

DIE ZEIT: Wie viele Ihrer gefälschten Bilder sind eigentlich noch in Umlauf?

Wolfgang Beltracchi: Kann ich nicht genau sagen. Aber eine ganze Reihe.

ZEIT: Wäre es gegenüber den Geschädigten nicht angebracht, die Fälschungen offenzulegen?

Wolfgang Beltracchi: Wir haben im Rahmen des Insolvenzverfahrens alle unsere Kunden von damals angegeben. Sie wurden angeschrieben, aber es gab nicht von allen Rückmeldungen.

ZEIT: An wen haben Sie die Bilder verkauft?

Helene Beltracchi: Wir selbst hatten höchstens ein Dutzend Abnehmer: Auktionshäuser und Galerien. Wir haben ja nie direkt an Privatleute verkauft.

ZEIT: Nun ging es im Prozess um lediglich 14 Bilder. Was ist mit dem Rest?

Wolfgang Beltracchi: Die Staatsanwaltschaft hatte neben der Anklage noch wegen knapp 50 Bildern ermittelt.

ZEIT: Leben Sie nicht in der Angst vor neuen Entdeckungen?

Wolfgang Beltracchi: Nein. In unserem Buch werden übrigens Bilder erwähnt, die noch niemand kennt. Die Käufer hätten sich melden können.

ZEIT: Hängen im Moment in irgendeiner aktuellen Ausstellung gefälschte Bilder von Ihnen?

Wolfgang Beltracchi: Das kann ich nicht ausschließen.

ZEIT: Sind Sie in Ihrer Fälschungszeit öfter in Museen auf Ihre gefälschten Bilder gestoßen?

Wolfgang Beltracchi: Das ist passiert. Manchmal war ich darauf vorbereitet, aber manchmal traf ich auch überraschend auf eines meiner Bilder. Das war dann ein sehr eigenartiges Gefühl, unheimlich, ich meinte, das Bild müsse mich erkennen.

ZEIT: Sie haben in den 30 Jahren Ihrer Fälschungszeit schätzungsweise 30 Millionen Euro verdient. Wo ist das Geld hin? Haben Sie es rechtzeitig beiseitegeschafft?

Wolfgang Beltracchi: Nein, das haben wir nicht. Die Summen, die genannt werden, sind völlig übertrieben. So viel war es bei Weitem nicht. In diese Größenordnung kommt man nur, wenn man die letzten Weiterverkaufspreise addiert und verzinst. Das hat aber nichts mit unseren Einnahmen zu tun. Wir haben das Geld weitgehend verlebt, beiseitegeschafft haben wir nichts, sondern wir haben alles angegeben, was wir noch hatten. Überhaupt sind sehr viele Gerüchte über uns in Umlauf. Wir hätten unzählige Konten etwa.

ZEIT: Haben Sie nicht?

Wolfgang Beltracchi: Aber nein! Es gab genau zwei Konten und dazu noch zwei örtliche Konten zur Begleichung der laufenden Kosten der Häuser in Freiburg und Mèze. Alle diese Konten waren und sind den Ermittlern bekannt. Die falsche Berichterstattung über unsere finanzielle Situation hat uns geschadet. Wenn Sie im Gefängnis sitzen und die Mithäftlinge glauben, Sie sind schwerreich, dann ist das gefährlich.