Der Mähdrescher misst kontinuierlich die Ernteleistung – die daraus errechnete virtuelle Karte zeigt, wo Dünger gefehlt hat. © Claas KGaA mbH

Nein, Peter-Eric Froböse ist kein durchschnittlicher Landwirt. Und doch repräsentiert der Unternehmer aus dem ostwestfälischen Lage-Pottenhausen die Aufgaben und Wirtschaftsformen des modernen Landbaus wie kein anderer. Froböse hält Vieh und baut Feldfrüchte an. Er besitzt Land (einige Hektar) und hat Flächen hinzugepachtet (viele Hektar mehr). Er bewirtschaftet den eigenen Hof und als Lohnunternehmer noch einmal die doppelte fremde Fläche. Manchem Kollegen nimmt er nur einzelne Arbeiten wie die Ernte ab, anderen führt er den kompletten Hof. Er hält eigenes Vieh und Beteiligungen an fremden Ställen.

Froböse kennt auch das Bild, das seine Mitmenschen von der Landwirtschaft haben. Pflegt er seine Mutterkuh-Herde aus Angus-Rindern und anderen urigen Rassen, wird er am Rand der idyllischen Weide von Spaziergängern angesprochen: So müsse Landwirtschaft sein, wie aus dem Bilderbuch. Plant er aber einen Stall zur Kükenaufzucht, formiert sich aus Protest eine Bürgerinitiative.

In Deutschland mit seinen guten Böden und dem gemäßigten Klima haben viele Landwirte die Wahl, ob sie Gemüse für den Bauernmarkt oder Getreide für den Weltmarkt anbauen wollen. "Jeder muss für sich entscheiden, ob er mit der Hacke über das Kohlfeld laufen oder lieber zum Melken unter der Kuh sitzen will", sagt Froböse. Er selbst hat Abschied genommen von der Spezialisierung, die noch vor zwanzig Jahren an vielen Agrarhochschulen gepredigt wurde. Kohl und Kuh, so könnte man seine Strategie beschreiben. "Innerhalb des Betriebes diversifizieren, das federt die Risiken ab. Aber mit 50 Hühnern, drei Weihnachtsgänsen und einem Liter Milch kann kein Landwirt etwas werden." Darum geben viele Klein- und Nebenerwerbsbauern auf, die einen verpachten ihre Flächen und Betriebsstätten, andere lassen ihren Hof von Landwirten wie Froböse betreiben.

Die Aufträge verschaffen dem Ostwestfalen die Möglichkeit, mit Effizienz auf den Acker zu gehen. "Bis an die Zähne" sei sein Hof technisch gerüstet. Oft gehört Froböse zu den Technikpionieren, immer zu den Kritikern, wenn eine Technik nicht das leistet, was der Hersteller verspricht. Auf Lenkhilfen für Mähdrescher und Traktoren will er nicht mehr verzichten: Wird sein Acker bestellt, der Boden gepflügt, die Saat eingebracht, entsteht aus den gesammelten Daten ein mathematisches Raster. Alle 27 Meter zieht sich eine drei Meter breite, schnurgerade Fahrspur durch die Landschaft – dieses strenge Raster sorgt dafür, dass Froböse mit seinem schweren Gerät nicht im Lauf einiger Jahre den ganzen Ackerboden verdichtet, sondern nur einzelne Streifen: "Müsste man nicht hin und wieder pflügen, man könnte die Spuren auch asphaltieren."

Traktoren mit GPS-Steuerung

Weltweit fahren heute Landwirte mit bisher unerreichter Präzision ihre Felder ab. GPS-gesteuerte autonome Lenksysteme führen gewaltige Traktoren und Mähdrescher über den Acker. "Wissen Sie, wie präzise wir einen solchen Koloss steuern können?", fragt Eberhard Nacke und hebt gleich darauf einen Daumen in die Höhe: "eine Daumenbreite Abweichung, zwei Zentimeter."

Nacke steht 40 Kilometer von Froböses Hof entfernt neben einem gewaltigen giftgrünen Traktor. Er ist für die Produktstrategie der Firma Claas verantwortlich. Seit 100 Jahren baut man hier in Harsewinkel Landmaschinen. Heute spielt das Familienunternehmen Claas mit fast vier Milliarden Euro Jahresumsatz munter neben börsennotierten US-Giganten in der Weltliga mit. Längst sind die Ostwestfalen keine reinen Fahrzeug- und Maschinenbauer mehr. Sie haben mit der Entwicklung der Mähdrescher erst kleine, dann immer größer werdende Fabriken auf Räder gestellt und so die Automatisierung der Technik vorangetrieben. Sie haben Satellitensteuerung und Sensorik integriert. Sie haben lernende Systeme gebaut, mit denen ein Mähdrescher nach wenigen Metern Ernte Tempo macht, weil er die Parameter von Erntegut und Boden erkannt hat und nun am Optimum fährt. Und für die Anbaustrategie des nächsten Jahres wird das Pflanzenwachstum vor der Düngung gemessen und mit den Erntedaten verknüpft. Das hat seinen Preis: ein voll ausgestatteter Mähdrescher kostet rund eine halbe Million Euro.

"Fast hundert Jahre lang hieß das Ziel bei der Landmaschinenentwicklung Wachstum, Wachstum, Wachstum", sagt Hermann Garbers, Geschäftsführer Technologie und Qualität bei Claas. "Größer und schwerer dürfen unsere Maschinen nicht mehr werden. Heute lautet die Strategie Effizienz, Effizienz, Effizienz." Precision Agriculture ist das Schlagwort. Die Entwicklung begann vor zwanzig Jahren, als sensorbestückte Mähdrescher die Erntemengen während der Fahrt in Ertragskarten umrechneten. So wusste der Landwirt, wo das Getreide gut gewachsen war und wo ihm etwas zum Gedeihen gefehlt hatte.