Die Männerkohorte in unserem Dorf war übersichtlich. Papa und andere. Handwerker, viele Bauern. Die meisten hießen Heinrich. Sehr wenige hatten keine Frau. Das differenzierte sich aus in den Jahren. Männer kommen in den Sortierungen klein und dünn und knochig oder lang, haarig oder albern, dumm, dreist, hochgebildet, manchmal verbildet, sie müffeln oder duften köstlich, sind ängstlich, picklig, scharf drauf oder gar nicht, gelegentlich charmant, usw. usw. Also dass es jetzt solche Aufregung erregt, dass Männer, in Fußballvereinen, auch schwul sein können, ja nun. Böse Nachricht für Frauen, oder? Allerhöchstens. Sagen wir, für nicht lesbische Frauen. Aber was erregt Männer, die nicht auf Männer stehen, so wahnsinnig an dieser Nachricht?

Männerfußball zeigt, gut ausgeleuchtet, muskulöse Typen in Action. Ginge es um Fußball, könnte man ja auch Frauenfußball gucken. Ich fand es immer nett, dass Männer beim Fußball so unverstellt ihre Begeisterung für Männer zeigen. Auf dem Platz das absichtsvolle Gerempel, dieses lustiges Gezerre an der Wäsche, das haltlose Aufeinanderzustürmen und Umarmen, Wuscheln von Haaren, das wilde Bespringen mit gespreizten Beinen, das wir auch aus dem indischen Kamasutra kennen – nennen wir es libidinöse Akrobatik. Wer wollte, konnte schon immer mal darüber nachdenken, warum Männer sich damit, so offensichtlich lustvoll, so offen ausstellen, auf dem Platz. Vor Abertausenden. Und andererseits Männer sich das auch so gerne reinziehen, auf der Tribüne oder vor der Glotze. Jeden Samstag. Und Sonntag! Mit Singen, Grölen, Jubeln.

Männer können Männer gut leiden, darauf läuft es hinaus. Na und? Männer lieben es, miteinander zu sein, nicht nur am Wochenende. Im Dorf saßen Männer von Frauen getrennt sogar in der Kirche. Bei Beerdigungen gingen sie in einem eigenen Block. Beim anschließenden Butterkuchen hatten sie ihr eigenes Zimmer. So wie der Vorstand der Deutschen Bank. Wie viele Schwule da sitzen? Oder bei der Feuerwehr?

Solche Fragen mögen jetzt natürlich aufkommen. Wenn Männer beieinander sind. Auch andere Sportarten werden mit neuen Augen betrachtet werden. Mannschaftsbob, dieses Gekuschel in der Wanne. Irgendwann wird die Debatte den Eiskunstlauf kalt erwischen. Ich sage nur: Doppelter Rittmeister! Man könnte an schwulen Paarlauf denken. Wie werden die Hebefiguren wirken? Auf wen? Also ich habe mal ein WM-Eröffnungsspiel in einem Schwulenlokal geguckt. Es gab Bier aus der Flasche und Kaffee mit Sahnetorte und viele Kommentare, die sehr lustig waren, selbst die Trainer brauchten sich nicht missachtet fühlen, bis hin zum Müsterchen der Krawatte. Das fand ich schön, weil Männer sonst doch gerne so tun, als sähen sie so was gar nicht.

Wie wird sich also die neue Offenheit auf die Trikots auswirken? Denken wir an die katholische Kirche, wo sich so viele Schwule finden – offensichtlich völlig männerrollenbefreit, bis hin zu kirschroten Samtslippern zu wadenlangen handgeklöppelten Spitzen. Die Schönsten aller Schwulen sind natürlich noch immer die Glitterqueens von Downtown New York, Lametta bis zu den lackierten Zehennägel! Sie lebten wild und gefährlich, die meisten sind deshalb tot. Wir sollten also nicht nostalgisch werden. Oder zu hohe Ansprüche an Outings stellen. Dass Schwule gleich die besseren Männer sein müssen, mehr von Ästhetik verstehen als Frauen, auch noch die besseren Ehemänner sein sollen – also, selbst wenn Schwule sich mit Buben verlustieren, muss ja gleich Platon herhalten, paiderastia und eromenos und pipapo. Das ist alles residuales Alphatier-Gehabe und kann getrost vergessen werden. Einfach mal locker bleiben. Männer! Das Leben ist vielfältig, nicht nur auf dem Platz. Der Spaß geht erst los.