Als Erich Kellerhals an diesem Tag der schlechten Nachricht auf den Hof seiner Firma kommt, schmiegen sich die Berggipfel hinter Salzburg an den abendlichen Dämmerhimmel. Die Luft schmeckt nach Schnee, ein stiller Winterabend, Helga Kellerhals, die seit 50 Jahren Erichs Ehefrau und seit 51 Jahren seine Geschäftspartnerin ist, steht im Obergeschoss hinter einem großen Fenster an einem Stehpult. Es sieht aus, als sei sie die Bewohnerin einer Puppenstube.

Dann schreitet sie, eine schmale Erscheinung, schwarze Hose, Goldschmuck, Seidentuch, die Treppe herab. Seit dem frühen Morgen ist sie hier, kümmert sich um die Buchhaltung, das Personal, ihr Mann um Zahlen und Unternehmensbeteiligungen, wie jeden Tag. Das Paar kommt täglich vom Nachbargrundstück herüber, einem weitläufigen kleinen Park mit einer türmchenbesetzten alten Villa darin. Dann verwalten sie ihre Milliarden, bis abends gegen sieben. Es sieht nicht so aus, als wollten Erich und Helga Kellerhals, 74 und 73 Jahre alt, bald damit aufhören.

Die schlechte Nachricht wird daran nichts ändern.

Bereits am Morgen dieses vorweihnachtlichen Tages war es losgegangen auf den Internetseiten der Wirtschaftspresse: "Rückschlag für Kellerhals. Metro sieht sich im Streit mit Media Markt gestärkt", schrieb das Handelsblatt, "Gericht stärkt Metro. Etappensieg bei Media-Saturn", meldete die Neue Zürcher Zeitung. Sie berichteten darüber, dass Erich Kellerhals einen weiteren Prozess gegen den Handelskonzern Metro verloren hat.

Helga Kellerhals steht am Fuß der Treppe, ihr Mann unterhält sich etwas abseits mit einem Mitarbeiter, und sie spricht mit resignierter Stimme, leise, er hört es nicht, über all diese Unwahrheiten. Sie meint nicht so sehr die Meldungen dieses Tages, sie meint in etwa alles, was geschrieben wurde über ihren Mann in den vergangenen Jahren, und auch das, was manche Leute von Metro so gesagt haben über ihn. Sie macht sich Sorgen um Erich.

Erich Kellerhals wartet in einem rustikalen Restaurant über Salzburg auf das Mittagessen, als ihm sein Kommunikationsberater ein paar der Meldungen vorliest und zum Schluss ein Zitat des Metro-Chefs Olaf Koch: "Zugleich hoffen wir nun auch auf eine Befriedung des Verhältnisses zwischen den Gesellschaftern und auf eine professionelle, konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit im Sinne des Unternehmens Media Markt und Saturn."

"Befriedung des Verhältnisses", "konstruktive Zusammenarbeit", Kellerhals will sich nicht aufregen, aber er muss nun doch wiederholen, dass dies der blanke Hohn sei, dass also ausgerechnet dieser Koch von Kooperation und Zusammenarbeit fasele. "Ich kann das nicht mehr hören!", sagt Kellerhals verärgert, wiewohl mit ruhiger Stimme. "Er tut immer so, als wären wir nicht bereit, mit ihm zu reden. Das ist einfach falsch. Richtig ist, dass er nicht mit uns redet."

Erich Kellerhals und Olaf Koch sprechen seit einiger Zeit tatsächlich nicht mehr direkt miteinander. Das machen nun ihre Anwälte für sie, mehrere Millionen Euro hat das schon gekostet. Doch die beiden Männer sind aneinandergekettet durch einen Vertrag, den Erich Kellerhals in einer Zeit lange vor Olaf Koch geschlossen hat.

Erich Kellerhals und seine Frau Helga haben 1979 zusammen mit dem ehemaligen Karstadt-Abteilungsleiter Walter Gunz den ersten Media Markt eröffnet und daraus zusammen mit dem Einzelhandelskaufmann Leopold Stiefel eine Kette aufgebaut. Die Mehrheit der Anteile haben sie 1988 an den Kaufhof veräußert, der seinerseits die Saturn-Märkte mit in die Verbindung einbrachte und der später von Metro übernommen wurde. In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen mit seinen Slogans "Geiz ist geil" und "Ich bin doch nicht blöd" zum bekanntesten deutschen Elektrofachhändler, zum größten Europas und zum zweitgrößten der Welt.

Der Deal mit dem Kaufhof und die Wertsteigerung ihrer verbliebenen Media-Saturn-Anteile haben die Gründer reich gemacht. Das US-Magazin Forbes schätzte das Vermögen der Familie Kellerhals jüngst auf 2,9 Milliarden Euro.

Auch die Metro-Aktionäre haben sich viele Jahre über Gewinne ihrer tüchtigen Tochter gefreut. Sie störten sich nicht an der Klausel, wonach der Media-Markt-Gründer in der Gesellschafterversammlung ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen hatte, obwohl seine Familie nur mehr knapp 22 Prozent von Media-Saturn hielt. Nichts ging gegen Kellerhals. "Wir haben immer Konsenslösungen gefunden", sagt er.

Doch seit dem 18. Januar 2011 ist alles anders. An diesem Tag besuchten Olaf Koch, zu jener Zeit noch Metro-Finanzvorstand, und Eckhard Cordes, damals Vorstandschef, Erich Kellerhals in Salzburg. Bewehrt mit einem juristischen Gutachten, teilten sie ihm mit, dass sie von nun an allein entscheiden würden und sein Veto in vielen Belangen keine Rolle mehr spielen werde.