Schusswaffen : Waffenland Deutschland

Auch durch legale Pistolen und Gewehre gibt es viele Todesopfer. Eine Übersicht
Wie sind Schusswaffen in Deutschland verteilt?

Deutsche Statistiker sind fleißig: Importierter Lebkuchen, Heimtrainer, Schaumweinverbrauch – kaum etwas, das sie nicht penibel zählen. Nur wenn es um Waffen und ihre Opfer geht, wird das Zählen erstaunlich ungenau. Zwar registriert das Statistische Bundesamt jährlich rund 70 Tote durch Schusswaffen bei Angriffen und Unfällen, dazu kommen etwa 750 Selbstmorde. Ob die Todesschüsse aus einer illegalen oder einer legalen Waffe kamen, wird aber seltsamerweise nicht erfasst.

Trotzdem behauptet die Schützenlobby, dass nur von illegalen Waffen eine große Gefahr ausgehe, und verweist auf Raubmörder, kriminelle Banden und Terroristen. Doch legale Waffen sind nicht harmloser: Nach Recherchen der ZEIT wurden allein im vergangenen Jahr mindestens 27 Menschen in Deutschland mit registrierten Schusswaffen getötet – bei insgesamt 54 bekannt gewordenen Todesfällen durch Schusswaffen. Dazu kommen mutmaßlich mehrere Hundert Selbstmorde.

Der Freiburger Kriminologe Dietrich Oberwittler untersucht seit sieben Jahren "Familiendramen" in Deutschland: Taten, bei denen meistens Männer ihre Frauen, Expartnerinnen oder Nebenbuhler töten und sich danach oft das Leben nehmen. Er ist überzeugt: Die Verfügbarkeit von Schusswaffen erhöht das Risiko, dass solche "Amokläufe im Privaten" tödlich enden. Oft kämen hier legale Waffen zum Einsatz.

5,5 Millionen legale Schusswaffen gibt es in Deutschland, verteilt auf 1,45 Millionen Besitzer: Jäger, Sportschützen, Sammler oder Sicherheitsunternehmer. Nicht bekannt war bisher, wie viele Waffen es in den einzelnen Kreisen und Städten gibt. Auch hier klafft eine Lücke in der Statistik. Die ZEIT hat daher erstmals die Zahlen aller 550 Waffenbehörden zusammengetragen. Die Unterschiede sind groß: Sie reichen von weniger als 25 Schusswaffen pro tausend Einwohner in Städten wie Berlin, Leipzig, Flensburg und Freiburg bis zu mehr als 150 in ländlichen Kreisen in Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen und im Saarland, wo es viele Jäger und Sportschützen gibt. Im Osten Deutschlands zeigen sich noch die Folgen der DDR: Dort gibt es weniger Schusswaffen, weil Schützenvereine verboten waren.

Bedenklich stimmt, dass es in Regionen, in denen es viele registrierte Waffen gibt, auch gehäuft zu Todesfällen durch diese zu kommen scheint. Dies wird auch durch eine gerade erschienene internationale Vergleichsstudie gestützt: mehr Waffen, mehr Tote. "Es gibt nach wie vor zu viele Schusswaffen in Deutschland", sagt Arnold Plickert, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen. "Nicht jeder, der derzeit eine Waffe hat, sollte diese wirklich haben."

Mitarbeit: Friederike Milbradt

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Kommentare

418 Kommentare Seite 1 von 47 Kommentieren

Zustände

Jaa - erstmal finde ich dieses Argument, welche Zustände mal irgendwann normal waren in Deutschland nicht so überzeugend, aber egal.
Ich persönlich habe ein Problem damit, dass Schusswaffen im Haus sind. Mir ist auch durchaus klar, dass die meisten Waffenbesitzer sorgsam damit umgehen - und trotzdem will mir einfach nicht einleuchten, warum Waffen im Haus aufbewahrt werden müssen. Verstehe ich nicht. Tut mir wirklich leid. Ich bin auch kein Fan davon, dass Kinder mit Waffen daheim aufwachsen. Eine Schusswaffe ist zum Schießen da, die soll verletzen, mindestens, das ist ihre Aufgabe. Für mich ist auch der Begriff 'Schießsport' ein Absurdum - und damit möchte ich jetzt gar nichtmal die Leistung abwerten, dass das viele Leute wirklich gut können und dafür viel trainieren müssen - aber das in Verbindung mit Sport zu bringen, ist für mich schon fast ein wenig verharmlosend.

Schon klar

"Nur taugt Ihre Gesetzesbegründung oder persönliche Empfindung, bitte seinSie mir nicht böse, nicht als objektives Kriterium."

Schon klar, so wollte ich das auch gar nicht aufgefasst haben. Ich weiß, dass diese Gesetze so sind und will da auch gar nicht missionieren, nur wenn ich halt gefragt werde sage ich meine Meinung, das ist schon alles.

Jetzt habe ich aber eine andere Frage, weil ein anderer Forist mich darauf angesprochen hat: Waffenbesitzer dürfen eigentlich nicht sagen, wo sie ihre Waffen, Munition und die Schlüssel für diese Sachen aufbewahren?

Ein paar Fragen stehen da doch im Raum

Was verstehen sie unter ehemalige Kolonien? Länder wie Haiti, den Kongo, Somalia, den nahen Osten? Ich würde mich daher über konkrete Beispiele freuen ebenso wie beim Beispiel Baden. Ansonsten müssten sie diese Beispiele abziehen. Und ihr Verständis von Freiheit und Demokratie (Ich verstehe jedenfalls darunter die Herrschaft des Volkes durch das Volk) lässt auch eher Fragen offen. Jedenfalls klingt ihr Freiheitsbegriff für mich eher nach neoliberalen Anarchismus als nach Freiheit.

Sie sind auf dem falschen Weg

Werter Norbert Wagen bei aller Wertschätzung für mathematische Formeln, hier geht es um gesellschaftliche Prozesse, um Politik, um zwischenmenschliche Beziehungen, um Kriminalität usw. Sie können diese Aspekte nicht auf Formeln reduzieren, wenn sie sachgerecht bleiben wollen.
Zu Ihrem 2.Absatz: Der 1. Satz mag stimmen, wenn Sie damit meinen, dass auch der prozentuale Anteil von Verbrechen steigt. Ansonsten wäre er nicht der Erwähnung wert. Zum 2. Satz: Was beinhaltet Ihrer Meinung nach der „Faktor Mensch“? So wie er steht, ist er hohl.
Ihr vorletzter Absatz plus Schlusssatz erinnert mich an die Aussage der US-Amerikanischen Waffenlobby: “Das beste Mittel gegen einen schlechten Kerl mit einer Waffe ist ein guter Kerl mit einer Waffe“ Eine peinliche Nähe in der Sie sich da befinden.

Nein, werter Norbert Wagen

"Nehme ich die Formulierung weg dann bleibt uns:
"Keine Waffen = keine Verbrechen". "
Nichts mit Fenster-Dekoration. Sie wollen "mathematisch" argumentieren. Sagen wie besser logisch. Ihr mir unterstelltes "keine Waffen = keine Verbrechen" ist falsch. Richtig könnte es heißen: "Keine Waffen = keine Verbrechen mit Waffen". Dies genau ist in dem Zusammenhang mein Standpunkt.
"Die Fähigkeit Böses zu tun nehmen Sie dem Menschen aber nicht dadurch dass sie Ihn in der Wahl seiner Mittel beschränken."
Richtig der Satz. Aber es ist ein Unterschied, ob jemand eine Bombe zündet, mit einem Gewehr schießt oder seinem Gegenüber eine Flasche über den Schädel schlägt.
Ihr 4., 5., 6. Absatz kranken alle an demselben Irrtum. Der Mensch hat kein zeitloses immer gleiches Wesen. Er ist geprägt durch sein Umfeld, die Gesellschaft, sein Elternhaus,.. All das und noch einiges mehr das Individuum prägende ist doch Realität und nicht ausweichende Dekoration meinerseits.
Haben Sie sich einmal die Frage gestellt: "Warum bin ich eigentlich nicht Milliardär?" Waren sie nicht genügend auf Ihren Vorteil bedacht? Nicht böse genug oder nicht genügend von Nächstenliebe erfüllt?

Waffentote und Waffenbesitz

Es ist richtig, dass solche Zahlen nur im Kontext Sinn ergeben.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland irgendwo im Mittelfeld (1,24 Waffentote pro 100.000). Dennoch kann man die Frage stellen, wieso Polen (0,2), UK (0,25) oder die Niederlande (0,46) deutlich geringere Quoten haben. Nicht zu vergessen sind natürlich die Werte von Serbien (3,9) und der Schweiz (3.84).

Zurück zum Thema: Deutschland ist definitv ein Waffenland, wenn es um den reinen Besitz geht. Auf der Rangliste des Waffenbesitzes pro Land belegen wir Rang 5. Im pro Kopf Vergleich sind wir auf Platz 15.

TL;DR: Deutschland hat kein großes Problem mit waffenbezogenen Todesfällen. Dennoch sind wir ein Land, in dem sehr viele Waffen im Umlauf sind.