Natürlich, auch ich mag sie, die "Gelben Engel". Ihretwegen bin ich vor 33 Jahren in den ADAC eingetreten. Ich zahlte gern meinen Beitrag, damit mir einer hilft, wenn ich unterwegs eine Autopanne habe. Aber habe ich den ADAC beauftragt, auch in meinem Namen Politik zu machen? Niemals. Ich habe mich geärgert, als der Club gegen ein Tempolimit auf Autobahnen agitierte. Gefragt wurden wir Mitglieder auch nicht, als der ADAC immer mehr Geschäfte aufzog: Versicherungen, Mietwagen, Kredite, Reisen.

Da bin ich also in einem Verein, der zu einem Riesen mit fast 19 Millionen Mitgliedern angeschwollen ist, aber immer noch geführt wird wie ein Kleintierzüchterverein; dessen Vereinszeitschrift Motorwelt häufig gleich im Papierkorb landet; der seine Mitglieder in den Regionen (die beim ADAC noch Gaue, ja, Gaue!, heißen) ältere Herren (ja, fast nur Herren) als Vertreter wählen lässt. Ehrenamtliche. Und die sollen dann am Ende die Geschäftsführung kontrollieren, die einen Konzern im Gewande eines Vereins führt.

Der ADAC, das wird nun vollends klar, ist nicht nur der mit Abstand größte, er ist auch der merkwürdigste Verein Deutschlands. Deshalb kann man fast schon wieder froh sein über die aufgeflogene Trickserei bei der Wahl des "Lieblingsautos" der Deutschen. Bringt der Skandal doch ans Licht, wie intransparent es in der Münchner ADAC-Zentrale zugeht, wie wenig der Club legitimiert ist, für alle Mitglieder zu sprechen. Mickrige 3.409 Stimmen bekam der Sieger 2014, der VW Golf. Nicht die zehnfache Zahl, die der Motorwelt-Chefredakteur und Kommunikationschef des ADAC daraus machte. Wie soll ich angesichts dieser Manipulation noch glauben, dass es bei ADAC-Vergleichstests immer mit rechten Dingen zugeht, wo der Verein gleichzeitig mit den Herstellern Geschäfte macht? Scheinplebiszite, abgehängte Basis, unklare Geschäfte, laienhafte Kontrolle – das ist der ADAC im Jahre 2014.

Wenn die deutschen Autos so wären wie der deutsche Autofahrerclub, dann stünde es schlimm um den Exportweltmeister Deutschland. Und genau an dieser Stelle wird es ernst. Denn der Skandal wirkt weit über den Automobilclub hinaus. Er beschädigt das Renommee des Mythos "Deutsches Auto", den Ruf deutscher Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit, der den Ausschlag gibt dafür, dass Millionen Autokäufer weltweit bereit sind, stolze Preise für einen VW, Audi, BMW oder Mercedes zu bezahlen. Schon wird spekuliert, ob der ADAC-Pannenstatistik noch zu trauen sei.

Was nun ansteht, ist klar: Trennung von Verein und Konzern, von Pannenhilfe und Kaufhaus; ehrliche Einbeziehung der Basis, Professionalisierung der Kontrolle. Man könnte es auch härter sagen: modernisieren oder zerschlagen.

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