Was sind das für Zahlen! Zwei Jahre MBA-Studium – und plötzlich verdient man mehr als das Doppelte. Jedenfalls an der Harvard Business School, so steht es im MBA-Ranking der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times. Auch die Absolventen der Wharton School der Universität von Pennsylvania und der London Business School können ihr Gehalt durch den Studienabschluss um rund 120 Prozent steigern. Im Durchschnitt wohlgemerkt.

Ähnlich verheißungsvoll sind die Ergebnisse der Absolventen-Umfrage des Graduate Management Admission Council (GMAC). Wer nach zweijährigem Studium den Titel MBA trägt, kann sich auf ein im Schnitt 79 Prozent höheres Einkommen freuen. Fast 70.000 Euro Einstiegsgehalt bekamen die befragten internationalen MBA-Absolventen demnach durchschnittlich. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Und in vielen Fällen ist es auch nicht wahr. Jedenfalls nicht in Deutschland. Wer hierzulande einen MBA macht, verdient danach zwar nicht schlecht – von den Traumgehältern, die in den angelsächsischen Rankings stehen, ist ein Absolvent aber meistens weit entfernt.

Ein Grund dafür: Deutsche Unternehmen fremdeln mit dem MBA. Das belegt die aktuelle Jobtrends-Studie des Staufenbiel-Instituts. Gerade einmal elf Prozent der befragten Unternehmen bevorzugen Kandidaten mit einem MBA-Abschluss. Mehr als 80 Prozent wollen am liebsten Bewerber mit einem normalen Master oder Diplom. Kein Wunder, dass deutsche MBA-Absolventen in Bewerbungsgesprächen nur selten so hohe Gehälter aushandeln können wie ihre Kollegen in den USA und in Großbritannien.

Wie viel MBA-Absolventen in Deutschland letztlich verdienen, hängt vor allem davon ab, ob sie sich durch den Abschluss für höhere Aufgaben qualifizieren. "Grundsätzlich sollte ein Karrieresprung durch die Ausbildung möglich sein", sagt Heidrun Hoffmann, Leiterin des MBA-Programms an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Vor allem Absolventen, die vor dem MBA etwas völlig anderes studiert haben, könnten mit Steigerungen rechnen. Macht zum Beispiel ein Ingenieur einen MBA und wird danach Abteilungsleiter, kann der Abschluss sein Gehalt tatsächlich stark steigen lassen. "Auch wenn ein Jurist nach dem MBA ins Investmentbanking wechselt, kann er gut und gerne 100.000 Euro verdienen", sagt Heidrun Hoffmann. Am Ende sei vor allem wichtig, wie gut man auch ohne MBA schon ist, sagt Sörge Drosten, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum.

In der Wunschbranche vieler MBA-Kandidaten, der Unternehmensberatung, gibt es für Absolventen von Business Schools immerhin einen kleinen Bonus. Bei McKinsey werden sie zum Beispiel gleich als Associate eingestellt, genau wie Promovierte. Sie verdienen damit etwa 50 Prozent mehr als normale Master-Absolventen, die als Fellow beginnen, meistens aber auch deutlich jünger sind. "Ich kann verstehen, dass viele Business Schools gerne mit den Gehältern werben, aber das sollte nicht das Argument für oder gegen einen MBA sein", sagt Thomas Fritz, Recruiting-Direktor bei McKinsey. Wer direkt mit einem MBA in den Job startet, was allerdings die wenigsten machen, mag zwar einen kleinen Startvorteil haben, der gleicht sich aber schnell wieder aus. "Man muss keinen MBA machen, um in der Beratung erfolgreich zu sein", sagt Fritz.

Der Headhunter Andreas Halin warnt daher davor, sich von den Zahlen in den Rankings blenden zu lassen. "Die großen Gehaltssprünge sind Quatsch. Ich kenne keinen Fall, bei dem der MBA ursächlich für ein höheres Gehalt war", sagt der Gründer der Personalberatung Global Mind. Bei gleicher Arbeit, so Halin, zahle kein deutsches Unternehmen einem MBA-Absolventen mehr als einem Diplom-Kaufmann.

Ob sich der MBA finanziell lohnt, hängt auch entscheidend davon ab, an welcher Business School der Abschluss gemacht wurde. "In Deutschland gibt es nur wenige renommierte Programme, aber viel Wildwuchs durch einige Spezial-MBA. Das ist nur sehr schwer zu durchblicken", so Sörge Drosten von Kienbaum. Auch das ist ein Grund für die großen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland: Welt- bekannte und renommierte Business Schools wie Harvard oder Berkeley, bei denen Personalleiter wissen, dass ein guter Name für gute Inhalte und gute Absolventen steht, gibt es in Deutschland noch nicht. "Der Wert des Titels hängt allein vom Standing der Business School ab", sagt Andreas Halin. "Wer bei einer No-Name-Hochschule den MBA macht, setzt sein Geld in den Sand."