Es sei, berichtete Focus am Wochenende, in der Bischofskongregation der Gedanke aufgetaucht, das Bistum Limburg einfach aufzulösen. Das kann sein. Allerdings würde es nicht das Problem mit Tebartz-van Elst lösen. Denn ein geweihter Bischof bleibt ein geweihter Bischof. Seine Weihe besitzt einen character indelebilis, sie ist unzerstörbar. Darin liegt der Grund, warum es den Vatikan so aufregt, wenn die Piusbrüder Priester weihen oder ein chinesischer Erzbischof einen Bischof, ohne den Vatikan um Erlaubnis zu fragen. Nach katholischer Lehre sind solche Riten zwar unerlaubt, aber gültig.

Das Problem Tebartz muss also bei Tebartz gelöst werden. Angesichts der herausragenden Stellung, die Kleriker im Katholizismus besitzen, braucht der Papst einen triftigen Grund, um einen Diözesanbischof abzusetzen.

Die Idee, Bistümer aufzulösen, käme aber der Haushaltspolitik der Kirche entgegen. Bisher legt die katholische Kirche – wie auch die evangelische – Gemeinden zu größeren Einheiten zusammen, um Stellen, Gebäude und Aufwand einzusparen. Die evangelische Kirche ist aber weiter gegangen. Sie empfahl schon vor acht Jahren eine Konzentration auf der obersten Ebene. Denn eine Prognose sagte, dass die Kirchen bis 2030 ein Drittel des heutigen Mitgliederstandes und die Hälfte ihrer Finanzkraft verlieren würden. Damals hatte der Protestantismus 23 Landeskirchen und daher auch 23 Synoden, Verwaltungen und Gerichte. Inzwischen haben sich die evangelischen Kirchen in Thüringen und Sachsen-Anhalt zur Kirche in Mitteldeutschland zusammengeschlossen. Aus der nordelbischen, der mecklenburgischen und der pommerschen Kirche wurde die Nordkirche. Heute zeigt die religiöse Landkarte nur noch 20 evangelische Landeskirchen. Aber immer noch 26 katholische Bistümer.

Welches Bistum ließe sich einsparen? In der geschichtsbewussten katholischen Kirche denkt man zuerst an die jüngeren. Limburg wurde nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1827 gegründet, Mainz ebenso. Das heute chronisch klamme Ruhrbistum Essen entstand 1958. Damals soll sich der Kölner Erzbischof, Kardinal Josef Frings geweigert haben, dem neuen Bistum die reiche Essener Vorstadt Kettwig abzutreten. Das winzige Bistum Görlitz wurde 1994 aus dem Rest des Erzbistums Breslau errichtet, der diesseits der Neiße lag, das Erzbistum Hamburg mit wenig Menschen auf viel Fläche erst 1995 als Folge der deutschen Einheit.

Wenn der Papst will, kann er ein Bistum errichten und auch wieder schließen. Bis es so weit ist, dauert es aber. Tatsächlich hat jede Bistumsbildung eine lange Vorgeschichte. Zudem sind Bistümer und ihre Grenzen auch Gegenstand der Konkordate, also der Verträge zwischen dem Vatikan und dem jeweiligen Land. Die Konkordate müssten vor einer Umgestaltung also neu verhandelt werden, wenn die Beziehungen zwischen Kirche und Staat gleich bleiben sollen. Dann haben die beamteten und angestellten Mitarbeiter Rechte, die Jahre nachwirken können.

Aber am wichtigsten ist die Frage: Wohin mit überzähligen Bischöfen? Sie erweist sich auch in der evangelischen Kirche als Stolperstein. Bisher ist dort erst ein einziger Bischof zurückgetreten, um eine Fusion möglich zu machen: Axel Noack aus Magdeburg. Alle anderen Kollegen wollten bis zum Ruhestand mit 65 Jahren weiter amtieren. Das dauert in der katholischen Kirche noch länger: Deren Bischöfe müssen erst mit 75 Jahren dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Derzeit aber wäre die Lage günstig. Gleich sieben deutsche Bischofsstühle sind frei oder müssen demnächst besetzt werden. Auf der anderen Seite ist der Priestermangel in der katholischen Kirche inzwischen in der Führungsebene angekommen. Es gibt kaum Bewerber. Der Papst bekommt mit leeren deutschen Bischofsstühlen gerade ein Riesenproblem. Ein paar zusammengelegte Bistümer könnten es schrumpfen lassen.