Es gibt eine schnelle Eingreiftruppe im Vatikan, die ist für den Fall Limburg wie gemacht. Sie besteht aus acht Experten für Finanzen und für Kommunikation. Es ist – neben der berühmten Kardinalskommission – eine kleine, bewegliche Mannschaft des Papstes, die nach innen und nach außen wirken soll: erstens die skandalumwitterten Vatikanfinanzen aufräumen, zweitens für Glaubwürdigkeit sorgen. Aber an dem Tag, als die deutsche Presse meldete, wie Rom über Deutschlands größten Kirchenfinanzskandal angeblich entschieden habe, waren die Experten ahnungslos. Auf die Nachfrage der ZEIT hieß es nur: "Wir wissen nichts über Limburg. Das gehört nicht zu unserer Arbeit."

Die Kommission ist für Limburg offiziell nicht zuständig, aber dass sie so gar nicht Bescheid wusste, zeigt auch: Aus römischer Perspektive ist der deutsche Skandal ziemlich klein. In Deutschland ist Limburg ein Synonym für Krise, in Rom haben sie andere Probleme, zum Beispiel den korrupten Monsignore Scarano oder die Milliardenpleite eines slowenischen Bistums. Im Windschatten solcher Aufreger behauptete das Nachrichtenmagazin Focus am vergangenen Sonntag, "Rom" wolle das Bistum Limburg auflösen. Der geheime Prüfbericht besage, Bischof Tebartz habe kein Geld verschwendet und alle Kontrollgremien korrekt informiert.

Also: Nicht der Bischof, sondern die Limburger sind das Ärgernis. Und was Ärger macht, muss weg. Eine saubere Lösung – die nur den Nachteil hatte, nicht zu stimmen. Tebartz-Freunde wie Tebartz-Feinde nannten die Meldung sogleich eine Ente. Und die, die es wirklich wissen müssen, weil sie an der Überprüfung der Limburg-Finanzen beteiligt waren, sagten: "Der Bericht kommt erst noch."

Eine fünfköpfige Kommission unter der Leitung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe hat ihn in den letzten Wochen im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellt. Deren Sprecher Matthias Kopp dementierte denn auch die Focus- Meldung: "Die Prüfungskommission arbeitet weiterhin an ihrem Bericht." Und der Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte: "Ich werde sicher nichts anderes zu sagen haben."

Der Bericht ist also nicht fertig. Doch die Schlacht um seine Deutung hat bereits begonnen. In Ermangelung gesicherter Zahlen versuchen die Journalisten einander mit ungesicherten News zu überholen. Am Sonntagnachmittag meldete Spiegel Online, Weihbischof Grothe, der Chef der Prüfungskommission, werde am Donnerstag von Papst Franziskus erwartet. Wieder dementierte Kopp. Grothe selbst erklärte, er plane am Donnerstag keinen Besuch in Rom. Und der Bischof Tebartz? Wollte zu alledem gar nichts sagen. Freunde berichteten, er sei jetzt völlig zugeknöpft.

Aber schön wäre es schon gewesen, wenn der Focus recht gehabt hätte: Tebartz unschuldig! Für die Unschuldsgewissheit gibt es dankbare Abnehmer. Schon in der vergangenen Woche hatte Georg Gänswein, der Präfekt des päpstlichen Hauses, erklärt: "Ich glaube sehr wohl, dass die Untersuchung Vorwürfe bezüglich Geldverschwendung, Nichtkommunikation und Überspringung von Kontrollorganen zugunsten des Bischofs ausräumen wird." Der frühere Sekretär Benedikts XVI. reklamierte mit seinem Satz die Deutungshoheit über den Prüfbericht, bevor der Interpretationswettbewerb überhaupt offiziell eröffnet war.

Katholisch-konservative Netzwerke jubelten hernach im Internet. Sie hätten schon immer gewusst, dass in Limburg ein Bischof verjagt werden solle, weil er rechtgläubig sei, und nicht, weil er gegen Kirchenrecht verstoßen habe. Wörter wie "Kirchenkampf" und "Kampagne" gehören zum Grundvokabular der Limburg-Kommentare des Internetportals kath.net. Es geht hier ja auch um das Erbe Benedikts XVI. Der Papst aus Deutschland wollte eine Neuevangelisierung, und Tebartz-van Elst – jung, glaubensfest und liturgiebewusst – war einer der Protagonisten. Muss er seinen Bischofsstuhl räumen, tritt Benedikt noch einmal ab.

Tebartz-van Elst – "der ärmste Hund von allen"?

All die schönen Pläne, in der Heimat des deutschen Papstes seine Nachlassverwalter zu installieren, scheinen gescheitert. Dieses Gefühl beschleicht auch den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, einen der einflussreichsten Bischofsmacher der vergangenen Jahrzehnte. Er machte Köln zur katholischen Kaderschmiede. Berlin, Würzburg, Hildesheim und Dresden besetzte er mit seinen Weihbischöfen. Doch die haben sich von ihm emanzipiert, nicht alle stimmen in der Bischofskonferenz so wie Meisner. Der hält Benedikt einsame Treue, wenn er öffentlich zu Tebartz-van Elst steht. "Es ist unfair, wie ein armer Bischof in die Ecke getrieben wird", sagte er im Dezember zu Journalisten. Der Limburger Amtsbruder sei "der ärmste Hund von allen".

Die Limburger Katholiken wollen den "armen Hund" nicht zurück. Den meisten wäre es lieber gewesen, Franziskus hätte Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Rücktritt bewegt, doch öffentlich wagte kaum jemand, die Entscheidung des Papstes als zu lasch zu kritisieren. Man blieb bei aller Empörung diplomatisch.