Jede zweite Soldatin bei der Bundeswehr wird sexuell belästigt: So lauteten die Meldungen über eine Studie, die gerade vorgestellt wurde. Wenn das stimmte, wäre es verheerend. Zum Glück ist es Quatsch.

Das Zentrum für Sozialwissenschaften der Bundeswehr hatte vor zweieinhalb Jahren 14.500 Fragebögen an Soldatinnen und Soldaten verschickt. Nicht ganz 5.000 kamen zurück. Die Studie stützt sich also auf die Stimmen von Betroffenen, die sich äußern wollten; und äußern wollen sich erfahrungsgemäß am ehesten die Unzufriedenen. Repräsentativ ist das nicht, statistische Schlüsse lassen sich daraus kaum ableiten.

Als sexuelle Belästigung definierten die Befrager unter anderem das "sichtbare Anbringen pornografischer Darstellungen". Ein Viertel der Soldatinnen, die geantwortet haben, gaben an, diese Form der Belästigung erlebt zu haben, und 47 Prozent berichteten von Belästigungen "in minder schwerer Qualität", etwa anzüglichen Witzen. Ja, das ist hässlich – aber wovon reden wir hier? Die Bundeswehr war fünfzig Jahre lang ein hermetischer Männerclub, in dem sich kaum einer an Pin-up-Girls in Spindtüren und Machosprüchen störte. In diese Kultur brechen jetzt Frauen ein, endlich – und sie verändern sie. Zum Glück ganz erfolgreich: Mehrere Vergleichsstudien zeigen, dass Frauen das "Integrationsklima" in der Truppe als zunehmend freundlich empfinden. "Frauen nehmen eine gewisse Normalisierung im Umgang mit ihnen wahr", lautet das Resümee der aktuellen Erhebung.

Zehn Prozent der Soldatinnen berichten zwar von unerwünschten Berührungen und drei Prozent von sexueller Nötigung oder Vergewaltigung. Doch diese Zahlen liegen unter dem Erfahrungsdurchschnitt deutscher Frauen (13 Prozent geben an, bereits sexuelle Gewalt erlebt zu haben).

Trotzdem gibt’s bei der Bundeswehr ein besonderes Problem. Ein gutes Drittel der antwortenden Männer beklagte sich, dass Frauen "dem harten Leben im Feld" nicht gewachsen seien. Diese Einschätzung spricht freilich nicht gegen mehr Soldatinnen, sondern vielmehr für eine strengere Auswahl und für mehr Sport. Das wäre übrigens bei beiden Geschlechtern nötig. Es stimmt schon, man hat noch keine Frau gesehen, die den Aufnahmetest für die Kampfschwimmer geschafft hätte. Aber dafür umso mehr Männer in gewölbten Uniformen, die dem Fehlschluss erlegen sind, schon ein Y-Chromosom an sich mache wehrhaft. Den deutschen General erkennt man im Nato-Camp immer noch zuerst am Umfang. Erst dann am Umgang.