Deutschland hat eine neue Comedy-Hoffnung! Nur ist sie weder neu, noch spricht sie deutsch. Geboren im Jemen, aufgewachsen in Irland und Wales, ist der Hoffnungsträger des Humors seit mehr als 30 Jahren erfolgreich im Geschäft, bisher jedoch meist auf Englisch. Der Mann heißt Eddie Izzard, ist 53 Jahre alt, Schauspieler, Comedian und heterosexueller Transvestit oder, wie er selbst sagt, eine "männliche Lesbe". Zurzeit präsentiert er seine Show Force Majeure auf der Bühne des Berliner Imperial Clubs – auf Deutsch.

Dem Publikum dürfte Eddie Izzard durch YouTube ein Begriff geworden sein: Über 21 Millionen Klicks erreichte sein Clip Death Star Canteen über die bis dato unbekannte Kantine der Star Wars -Raumstation, in der Darth Vader Penne "alla arrabbiata" bestellt. Doch der Komiker hat mehr zu bieten als nur Witze über Pasta.

Amüsant kombiniert er die Enthauptung Karls I. mit der Behauptung, Maulwürfe seien die ersten Goldgräber gewesen, und benennt endlich die Absurdität des Dressurreitens ("Das sieht immer aus, als wolle man ein Pferd in einen Kleiderschrank einparken"). Für sinnentleertes Herumgeprolle oder das ewige Totquatschen der Geschlechterverhältnisse gibt es bei Cross-Dresser Izzard keinen Platz. Seine Comedy gleicht einer höchst unterhaltsamen Jonglage von historischem Wissen, aktuellen Ereignissen und skurrilen Beobachtungen.

Was Eddie Izzard nun ausgerechnet zu einer Hoffnung der deutschen Komikszene macht, ist sein aktueller Coup in Berlin. Statt uninspiriert eine bloße Übersetzung seiner Show Force Majeure (zu deutsch "Höhere Gewalt") herunterzurattern, setzt er sein verbales Unvermögen gekonnt in Szene, betont phonetisch wie organisatorisch das spezifisch Deutsche und schafft damit eine neue Perspektive auf den nationalen Witz. Notfalls wird auf der Bühne die Syntax durch Sprünge verdeutlicht ("Das Verb gehört ans Ende!").

Für Izzard selbst ist die Show noch in der Produktionsphase. Zum einen lernt er mithilfe seiner Auftritte Deutsch und macht sie und sich auf diese Weise zu einem performativen Akt. Zum anderen erforscht er den Humor des hiesigen Publikums. Wird bei einem Scherz mal nur verhalten geschmunzelt, notiert sich Izzard murmelnd "Funny only for me", und hat gleich eine Sekunde später wieder alle Lacher auf seiner Seite.

"Comedy ohne Grenzen statt Grenzen ohne Comedy" – das ist die Mission des Mannes mit den tiefrot lackierten Fingernägeln und den funkelnden Ohrsteckern. Eddie Izzard funktioniert als Gesamtkonzept, er sprengt mehr als nur sprachliche Barrieren, vereint intelligent politisches Kabarett mit Stand-up-Comedy, Wissen mit Unterhaltung, und nicht zuletzt Frau-Sein mit Mann-Sein. In der deutschen Lachlandschaft ist das eine seltene Mischung. Oder, um mit Izzard zu sprechen: "Ausgefuckingzeichnet!"