Seit das mobile Internet zur Standardausrüstung des Unterwegsmenschen gehört, lässt sich das Gedächtnis in der Hosentasche unterbringen. Für Kulturpessimisten ist das Leben mit dem Smartphone ein Albtraum. Google macht blöd, mit dieser These wurde der amerikanische Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr berühmt. Und der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer schrieb in seinem Buch Digitale Demenz, dass Kinder durch zu häufigen Gebrauch von digitalen Medien weniger komplex denken können. Das Argument: Wer permanent online ist, verlernt zu lernen.

Das Smartphone, eine Verdummungsmaschine? Von wegen! In den Downloadcharts klettert mit Quizduell unaufhörlich eine App an die Spitze, die den Wettkampf ums Wissen zum Prinzip gemacht hat. Und damit genau das zum höchsten Gut erklärt, was jederzeit googelbar ist.

Die User melden sich per Mail oder Facebook an. Ein Spiel dauert sechs Runden, jede Runde besteht aus drei Fragen, für jede Antwort bleiben zwanzig Sekunden bei jeweils vier Antwortmöglichkeiten. Die Kategorien wählen die Spieler im Wechsel aus. Essen und Trinken, Kunst und Kultur, Draußen im Grünen, Geschichte, TV-Serien, Sport und Freizeit, Medien und Unterhaltung, Religion. Wo wurde Thomas Gottschalk geboren? In welchem Jahrhundert war der Künstler Peter Paul Rubens hauptsächlich aktiv? Wer oder was warb mit dem Slogan "Das etwas andere Restaurant"? Wie lange ist ein Kaninchen trächtig? Welcher Konflikt ist unter "Deutscher Dualismus" bekannt?

Rund acht Millionen Nutzer hat Quizduell aktuell. Es ist das Wer wird Millionär? der Netzwelt. Nur dass man nicht mehr vor dem Fernseher sitzt und miträt, sondern selbst spielt, mit Freunden und Fremden, wann und wo man will. Die Ergebnisse können via Facebook geteilt werden, jeder Spieler darf eigene Fragen konzipieren und sie in das weltweite System einspeisen. Ein sich durch seine Nutzer vergrößernder und verselbstständigender Wissenshaufen. Heideggers Geburtsort statt Angry Birds. Allgemeinwissen ist eben doch cool.