DIE ZEIT: Frau Elmlid, Sie backen Sauerteigbrote, um sie gegen andere Sachen einzutauschen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Malin Elmlid: Es ist nicht so, dass ich mit dem kapitalistischen System unzufrieden bin, ich tausche auch nicht, weil ich etwas brauche. Ich bin Betriebswirtin und verdiene genug. Irgendwann habe ich mich allerdings gefragt: Was brauche ich eigentlich außer Geld?

ZEIT: Was fehlte Ihnen denn?

Elmlid: Ich komme aus Schweden und war frustriert vom deutschen weißen Brot. Roggen, Dinkel, das können die Deutschen, ein gutes Weißbrot ohne Hefe fand ich nicht. Ich musste viel üben. So einen Sauerteig richtig hinzubekommen ist sehr schwierig. Die Brote gab ich Nachbarn und Freunden. Eines Tages bekam ich Karten für die Berliner Philharmonie geschenkt. Im ersten Moment fand ich das komisch: Wieso schenkt mir jemand was, einfach so? Dann ist mir eingefallen, dass ich ja auch Geschenke mache. Das Gefühl des Gebens ist unglaublich schön – ich schenke meine Brote, geschenkt bekomme ich Geschichten, manchmal auch neue Freundschaften.

ZEIT: Auf Facebook posten Sie, wenn Sie Brote backen. Wer kommt und holt sich eines ab?

Elmlid: Das ist ganz unterschiedlich. Der erste Tauschpartner war ein 75-jähriger Berliner, aber es kommen auch Teenager vorbei. Seit ich 2009 das Blog habe, habe ich 1300 Brote getauscht. Die Berliner, das merke ich immer wieder, sind ans Tauschen gewöhnt. In Stockholm, wo ich herkomme, hätte das Projekt nicht so gut geklappt.

ZEIT: Was bekommen Sie so alles im Tausch gegen Ihre Brote geschenkt?

Elmlid: Ganz unterschiedlich. Urlaub in einem Sommerhaus in Portugal, ein 22-Gänge-Menü mit Kunstinvestoren, Sachen, die Leute von Reisen mitbringen. Darüber freue ich mich immer besonders. Geschichten sind der beste Geschmacksverstärker.

ZEIT: Sie wissen nicht immer genau, was Ihnen jemand geben wird, wurden Sie nie enttäuscht?

Elmlid: Nur ein einziges Mal. Die junge Frau kam mit einem alten Stück Ingwer und zwei Dosen Kondensmilch vorbei. Das Brot habe ich ihr trotzdem gegeben. Ich freue mich, dass die Erfahrungen fast alle so gut sind – manchmal wundert mich das auch. Der Tausch, den ich mache, hat weder Vergangenheit noch Zukunft. Die Leute könnten das schamlos ausnutzen, tun sie aber nicht.