ZEITmagazin: Herr Bendzko, Sie haben einige Semester Theologie studiert. Gibt es Spuren davon in Ihren Liedern?

Tim Bendzko: Auf die Texte hat sich das Wissen ausgewirkt, dass es nicht die eine Wahrheit gibt. Deshalb schreibe ich nicht so fingerzeigmäßig einen Song und sage: Ihr müsst es so und so machen! Mein Studium war ja Theologie aus der Perspektive aller Religionen, jüdische, islamische, christliche Theologie, jeweils von Menschen gelehrt, die wirklich daran glauben und es nicht – wie in der Religionswissenschaft – von außen belächeln.

ZEITmagazin: Sie sind nicht getauft. Spielt Religion für Sie trotzdem eine Rolle?

Bendzko: Ich würde mich als Interessierten bezeichnen. Jeder hat seine Form des Glaubens, mit der er versucht, durchs Leben zu kommen. Selbst der Atheist glaubt ja, weil auch er kein sicheres Wissen hat. Ich zum Beispiel bin so ein Schwingungsfan, ich bin extrem empfindlich, was Schwingungen angeht.

ZEITmagazin: Meinen Sie Schwingungen zwischen Menschen oder Physikalisches?

Bendzko: Eher Physikalisches. Ich hatte Mathe- und Physik-Leistungskurs und bin wenig esoterisch angehaucht. Ich glaube allerdings, dass alles im Universum seinen Ton hat. Seine Frequenz. Wenn jemand den Raum betritt, der mit mir auf einer Wellenlänge ist, merke ich das sofort. Ich kann mich total auf den ersten Eindruck verlassen. Das ist keine Religion, aber mein roter Faden durchs Leben.

ZEITmagazin: Hilft Ihnen das vor Publikum?

Bendzko: Ich merke, wenn etwas Positives in der Luft liegt, und kann mich anstecken lassen. Gleichzeitig merke ich aber auch, wenn irgendwas nicht stimmt. Dann denke ich: Was ist denn hier los?

Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

ZEITmagazin: Ihre Texte beschreiben oft romantische Seelenzustände – erstaunlich für einen Mathe- und Physikfan.

Bendzko: Es ist ziemlich offensichtlich, dass ich privat nicht der Allerromantischste und auch nicht der Allermelancholischste bin. Ich kann all diese Gefühle in Musik packen und da ausleben. Für mein privates Umfeld mag das bedauerlich sein, aber ich bin nun mal nicht der Klischee-Singer-Songwriter, der den ganzen Tag am Kamin sitzt und weint. Ich bin einer der fröhlichsten Menschen, die ich kenne.