Eine Kundgebung mit DKP-Fahne in Hannover © Jochen Lübke/dpa

So war das also. Die DDR machte Geschäfte mit Westfirmen, denen sie von Gefangenen hergestellte Möbel, Textilien und andere Waren zu niedrigen Preisen verkaufte. Und über ein System der Geldwäsche gaben Mittelspersonen einen Teil des Profits an die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) weiter, also an die politische Filiale der SED in der Bundesrepublik. Tobias Wunschik, Mitarbeiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, hat die Details soeben in einer Studie veröffentlicht (Knastware für den Klassenfeind, Vandenhoeck & Ruprecht, 363 S., 29,99 €).

Geht das heute noch jemanden etwas an? Und ob.

In der öffentlichen Kritik stehen derzeit jene Unternehmen, die damals die Billigware aus der DDR bezogen haben, wie Ikea, Karstadt oder Otto. Nun lief damals jedes Geschäft mit der DDR Gefahr, dass sein ökonomischer Vorteil auf dem Zwangscharakter des Systems beruhte, nicht zuletzt auf der Arbeit in den Gefängnissen. Dennoch wird kaum jemand behaupten, dass Geschäfte mit der DDR deshalb prinzipiell unmoralisch waren. Sie waren vielmehr Bestandteil der Bonner Deutschlandpolitik, die letztlich vielen DDR-Bürgern das Leben erträglicher machte und nach dem Prinzip "Wandel durch Annäherung" zum Fall der Mauer beigetragen hat.

Unmoralisch indes – und das geht die Autoren dieses Artikels an – war die Verteidigung des real unterdrückenden Sozialismus durch die DKP. Und zwar ganz unabhängig von der Tatsache, dass die SED ihre Bruderpartei finanzierte. Diese Schuld müssen wir eingestehen, denn wir waren über viele Jahre Mitglieder und Funktionäre der DKP. Viele unserer einstigen Genossen, von denen die meisten ihren Irrweg erkannt haben, tun das ebenfalls. Manche freilich haben sich einfach nur in die politische Mitte bewegt, ohne sich der schmerzhaften Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit auszusetzen. Andere wiederum haben eine neue Heimat in der Partei Die Linke gefunden und relativieren ihre Mitschuld bis heute.

Auf die Subvention der DKP und ihrer Vorfeldorganisationen durch die SED hinzuweisen, das galt uns und vielen anderen, die sich in den siebziger und achtziger Jahren als progressiv bezeichneten, als antikommunistische Propaganda. In Wirklichkeit wussten wir aber Bescheid. Und wenn an der Basis Fragen aufkamen, benutzten wir gern die Formel, die Sowjetunion habe das "revolutionäre Kuba" schließlich auch unterstützt, natürlich aus Solidarität.

In den neunziger Jahren hat der Bundestag begonnen, dieses System der Finanzierung, so gut es eben ging, zu dokumentieren. Das, was wir beide beobachtet und erlebt haben, deckt sich mit den Untersuchungsergebnissen.

Da gab es im Ost-West-Handel aktive Firmen, zum Beispiel im Hamburger Hafen, die den Apparat der DKP-Welt mit Scheinarbeitsplätzen und kostenlosen Büroräumen unterstützten. Sodann gab es Verlage, Buchhandelsketten, Druckereien und Reisebüros, die eine Doppelstrategie von Geld- und Gehirnwäsche verfolgten; ihnen stellte die DDR kostenlos Sachwerte zur Verfügung (etwa Drucklizenzen, Bücher, Schallplatten, außerdem touristische Leistungen in der DDR, in Osteuropa und auf Kuba). Ganze DDR-Lastzüge voller Waren alimentierten das Catering auf unseren Großveranstaltungen – sowie die lachhaften "Preisstopp-Aktionen" der DKP: Wir verkauften billige Glibberhähnchen, Kartoffeln und Tannenbäume in den ärmeren Stadtvierteln und rechneten das als Kampf gegen den Preiswucher des Großkapitals ab. Und intern als Stärkung der Parteikasse.