DIE ZEIT: Herr Kirch, als Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus haben Sie den Hürtgenwald zu einem Teil der neuen "Liberation Route" gemacht, die an Stationen des alliierten Vormarschs 1944/45 erinnert. Wie kamen die Route und ihr Verlauf zustande?

Gotthard Kirch: Sie dürfen sich das nicht als beschilderte Strecke mit ausgewiesenen Wegen vorstellen. Die Liberation Route ist eine Kooperation von sechs Orten in verschiedenen Ländern – alles Orte, die während der Offensive der Alliierten eine wichtige Rolle spielten.

ZEIT: Die Strecke reicht von England über Frankreich bis nach Polen. Was will sie erreichen?

Kirch: Wir wollen die Geschichte der Befreiung aus vielen Blickwinkeln darstellen – aus Sicht der Soldaten, der Zivilisten, der Vertriebenen, der Ermordeten, der Widerstandskämpfer. Und natürlich aus der Perspektive der jeweiligen Schauplätze.

ZEIT: Welche Bedeutung hat dabei die Schlacht im Hürtgenwald?

Kirch: Sie stoppte den Vormarsch der US-Armee über Monate. Zwischen Oktober 1944 und Januar 1945 kamen weit mehr als zehntausend Menschen ums Leben – vor allem Amerikaner. An keinem anderen Ort in Europa waren ihre Verluste derart hoch. Sie haben die tief eingeschnittenen Täler der Nordeifel völlig unterschätzt, dazu kam wochenlang fürchterlichstes Wetter. Die Panzer blieben im Morast und im Unterholz stecken, wurden von den Höhen abgeschossen, Verletzte sind jämmerlich verblutet und erfroren.

ZEIT: Was ist von all dem noch zu sehen?

Kirch: Es gibt noch gut erhaltene Bunker, versteckte Gefechtsunterstände und Schützengräben. Unsere Guides wissen, was von den Amerikanern und was von den Deutschen stammt. Die Amerikaner bauten meist eckig, die Deutschen eher rund.

ZEIT: Welche Art von Besuchern stellen Sie sich vor? Veteranen werden kaum noch kommen können.

Kirch: Wir rechnen weiterhin sehr stark mit den Amerikanern. Da gibt es sehr viele traditionsbewusste Familienangehörige. Die wollen sehen, where Grandpa fought . Manche der Divisionen, die damals hier gekämpft haben, unterhalten heute eigene Reisebüros. Da kommen dann auch junge Soldaten, um die strategischen Fehler früherer Generationen zu analysieren.