Herr Faltermeier ist Filialleiter der Sparkasse in Neufurth, einem fiktiven Nest in Bayern. Er beherrscht all die Gesten, die er sich von den Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank abgeguckt hat: Das joviale Schulterklopfen beim Honoratiorentreffen im Wirtshaus, das selbstgefällige Zurücksinken im Sessel, wenn die "pekuniären Tiefseetaucher" vor seinem Schreibtisch ihre finanzielle Misere zu erläutern versuchen, die pointierten Armbewegungen, die Autorität und professionelle Entschlossenheit demonstrieren sollen. Wenn er seine demoralisierten Klienten mit den Abgründen ihrer Verschuldung konfrontiert, geht Faltermeier immer "straight to the point ", wie er sagt. Doch dann gönnt er ihnen auch ein aufmunterndes Lächeln mit höhnisch entblößter Zahnlücke.

So wie Michael Ostrowski diesen Herrn Faltermeier in Gerhard Polts neuer Komödie Und Äktschn! spielt, entsteht die Karikatur eines provinziellen Bankmanagers, der sich in seinen Tagträumen an der Wall Street sieht und doch mit so viel Eigenschwingung ausgestattet ist, dass dahinter die Konturen einer realen Person erkennbar werden. Er hält den ins Wahnhafte kreiselnden Tiraden von Gerhard Polt stand und konterkariert sie durch präzises Understatement. Der Zuschauer spürt: Zwischen diesen beiden Darstellern stimmt die Chemie.

Faltermeier ist vielleicht die erste richtige Erwachsenenrolle eines Schauspielers, der bislang vor allem als ewiger Lausbub bekannt war und mit kaputtem Charme und freakigem Fellmantel das Leben einer prekarisierten Boheme verkörperte. In Und Äktschn! ist seine aus zahlreichen Filmkomödien bekannte unordentliche Wuschelfrisur sorgfältig an den Kopf geklebt. Seine rote Krawatte erinnert an eine hämisch herausgestreckte Zunge, der grüne Anzug mit goldener Anstecknadel buhlt um Stilbewusstsein und Klasse, sieht jedoch so aus, als sei er beim Herrenausstatter um die Ecke gekauft worden – voilà, schon heult The Wolf of Back Street.

Michael Ostrowski beherrscht auch ein Rollenspiel, das seinem Image zuwiderläuft. Es erfüllt ihn mit Stolz und Freude, dass es ausgerechnet Gerhard Polt war, der Held seiner Jugend, der ihm diese Auftrittsmöglichkeit bescherte. "Ich hab den Polt schon als Teenager in meiner Heimatstadt Rottenmann gesehen. Genauso wie den Helge Schneider. Das waren prägende Erlebnisse. Ein grenzgängerischer Humor, bei dem man nie wusste: Machen die jetzt Witze, oder wollen sie das Publikum verarschen?"

Ostrowski sendet derzeit auf allen Kanälen. Und Äktschn! läuft gerade in den Kinos an, kurz davor war er in Bad Fucking, der Verfilmung eines Kurt-Palm-Krimis, zu sehen. Dazu kamen Gastauftritte in deutschen Komödien wie Haialarm am Müggelsee von Leander Haußmann und Sven Regener oder Kokowäh 2 von Til Schweiger.

Vor Kurzem startete im ORF die von der italienischen Trickfilmfigur Herr Rossi inspirierte Serie Herr Ostrowski sucht das Glück. Ein semidokumentarisches Stegreiftheater, in dem Ostrowski Leute wie den Extremperformer Peter Bäcker, die Domina Madame Queen oder den Rennfahrer Bernhard Auinger bei der Jagd nach ihrer jeweils individuellen Vorstellung von Glück zwischen Sex, Showbusiness, Kunst und rauschhafter Entgrenzung begleitet. Wobei der Moderator selbst den Ball flach hält: "Ich interessiere mich jetzt nicht so rasend für die Frage: Was ist Glück? Ich sehe es nicht als Ziel im Leben, dem nachzugehen."

Seit Michael Ostrowski 2004 gemeinsam mit Michael Glawogger sein erstes Drehbuch Nacktschnecken verfilmt und mit großem Erfolg in die Kinos gebracht hat, ist er ein wesentlicher Mitgestalter eines neuen österreichischen Komödientons geworden. Nach der endlosen Flut der erfolgreichen Kabarettfilme, in denen Pointenschleuderer ihre Gags abfeuerten und die Handlung meist nur ein dürftiges Gerüst war, ging es der neuen Generation darum, Milieus genau zu beschreiben und Filmhandlungen zu erfinden, die zwar aberwitzig sein mochten, aber in sich stimmig waren. In Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott , einem der größten österreichischen Filmerfolge der letzten Jahre, an dem Michael Ostrowski als Co-Drehbuchautor und Darsteller maßgeblich beteiligt war, bemächtigen sich zwei Grazer Taugenichtse – arm, aber sexy – der bekannten Schauspielerin. Sie soll die tote Großmutter doubeln, da die beiden von der Pension der Verblichenen leben und die Stadtverwaltung sich von deren Wohlbefinden überzeugen möchte. "Es ging darum, möglichst schnell Abzweigungen in der Geschichte zu finden, die man in dem Moment nicht erwartet", sagt Ostrowski, "und die alles noch weiter in die Scheiße hineintreiben. Also eigentlich um das Rezept einer klassischen Screwball-Comedy."