Mit 25 war er ein Todgeweihter voller hochfliegender Pläne. Seine beharrlichen Anträge auf Ausbildungsbeihilfe wurden immer wieder abgelehnt: Er sei nicht gesund genug. So musste er sich weiter für einen Job die Nächte im Freien um die Ohren schlagen, um seine kleine Familie zu ernähren. Nebenher schrieb er – am Küchentisch, während das Baby schrie und unten im Haus Razzien durchgeführt wurden.

Das Baby war ein "Malheur" mit einer Krankenschwester. Damals hatte er in Lazaretten und Hospitälern quasi gewohnt, nachdem bei der Musterung Tuberkulose festgestellt worden war. Dass er seiner patriotischen Pflicht nicht nachkommen konnte, empfand er als Makel. Dabei hatte sein Job ihm gezeigt, wie korrupt diese Gesellschaft war. So sollte er als Streikbrecher gegen ausgebeutete Minenarbeiter vorgehen. Als der Streikführer ermordet wurde, hatte er genug. Er arbeitete als Werbetexter, besuchte nebenher die Handelsschule und schrieb. Kurze Geschichten für eine Zeitschrift – seine "Essensmarken". Als das zweite Baby kam, musste seine Frau wegen der Ansteckungsgefahr mit den Kindern wegziehen.

Getrunken hatte er schon als Jugendlicher, es gab ständig Krach mit dem Vater, den er für einen Versager hielt. Wegen dessen finanzieller Schwierigkeiten hatte er die Schule abbrechen müssen, um Geld zu verdienen. Jetzt trank er noch mehr. Aber er stellte den ersten Roman fertig, und mit seinem Buch wurde auch er zum Hit: Er sah gut aus, war komisch und interessant. In Marathonsitzungen zwischen Saufgelagen schrieb er vier Romane in drei Jahren. Er verdiente ein Vermögen, lebte auf großem Fuß mit einer Frau, die ihm intellektuell ebenbürtig war. Aber er war ausgebrannt. Und über soziale Probleme zu schreiben reichte ihm nicht mehr. Er hoffte, ein anderes System könne die Missstände verbessern. Er hielt Reden, spendete Geld, gründete Komitees. Und landete vor Gericht. Für die Verweigerung der Aussage kam er ins Gefängnis, dann wurden seine Tantiemen eingefroren.

Als sein ausschweifendes Leben seinen Tribut forderte, war er ein früh gealterter Einsiedler, der von geborgtem Geld lebte. Seine Figuren aber, ihre Epigonen und Klone wurden zu einem Grundstock der Populärkultur. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 6:

Roman Polanski (geb. 1933) überlebte das Krakauer Ghetto und musste 1968 den Mord an seiner Frau Sharon Tate verkraften. Zu seinen Erfolgen zählen u.a. "Rosemaries Baby" oder "Venus im Pelz". Er lebt mit seiner Frau Emmanuelle Seigner in Paris, das Zitat stammt von Christoph Waltz