Elefanten sind vergleichsweise unhandliche Tiere. Man kann sie weder auf den Arm noch auf den Schoß nehmen. Schon um sie, sagen wir: hinter den Ohren zu kraulen, brauchte man eine Leiter. Und doch gibt es keine Kreatur auf Gottes Erdboden, die so viel zärtliche Bewunderung auslöst. Manche Menschen bekommen feuchte Augen, wenn sie allein an die kleinen schwarzen Haare denken, die hier und da, verstreut auf Kopf und Rücken, borstig abstehen. Übrigens sind diese Haare, bei Nähe besehen, keineswegs klein, klein sind sie nur im Verhältnis zur Körpermasse. Es sind ziemlich starke, straffe und widerstandsfähige Überbleibsel aus jener Zeit, als die Vorfahren der Elefanten noch Fell für ein Leben in kälteren Regionen hatten.

In jedem Elefanten steckt ein Mammut, und wer weiß, wie viel dunkle Kollektiverinnerung an die Zeit, als unsere Vorfahren sich vom Mammut nährten, noch in unserer Hingezogenheit zu dem warmen Fleischgebirge steckt. Vielleicht tut sie das auch nicht. Aber falls doch, wird der Erinnerung ein Schuldbewusstsein eingewebt sein, das sich mit jedem Blick, mit jedem Wimpernschlag aus dem dunklen Elefantenauge regt. Denn wenn es etwas gibt, das alle, auch weniger sentimentale Zoobesucher bewegt, dann ist es die Wahrnehmung des Geistes, der aus dem Ungetüm spricht.

Der Elefant, der seinen Rüssel über den Zaun streckt, meint dich, genau dich und deinen Apfel, den er mit sicherer Bewegung aus deiner Hand, ersatzweise Manteltasche greift. Er hat dich dabei angesehen – es gibt nur wenige Tiere, die einem Menschen dermaßen präzise, gewissermaßen individuell ins Gesicht sehen. Sind sie intelligenter und menschennäher als andere? Die Wissenschaftler werden dies gewiss bestreiten, aber tatsächlich gibt es kein anderes Tier, den Hund vielleicht ausgenommen, das auf ähnliche Weise mit dem Menschen zusammenarbeiten kann. Man kann Elefanten nicht nur reiten, sie etwas schleppen oder ziehen lassen. Elefanten arbeiten mit, und zwar selbstständig. Sie fällen den Baum, den man ihnen zeigt, und zwar genau auf die Art, die ihnen zweckmäßig erscheint (es ist eine ziemlich rohe Art; man nennt es ausreißen). Sie reichen Kisten an, sie entladen Waggons, sie sind sogar als Maurer tätig. Wenn der Mensch, so haben wir es in Sri Lanka gesehen, den Mörtel aufträgt, legt der Elefant den Ziegelstein nach, Stein um Stein, und prüft mit dem Rüssel, ob die Steine auch fluchten. Elefanten sind echte Arbeiter.

Einschließlich der Nachteile aller Arbeiter. Wenn Schichtende ist, ist Schichtende. Um fünf legt die Elefantenbrigade die Arbeit nieder, sie lässt buchstäblich alles fallen und liegen und erwartet, zur Tränke, zum Waschen und Füttern geführt zu werden. Gegen die Gewerkschaftsmentalität der Elefanten – es ist wahrscheinlich die Urmutter aller Gewerkschaftsmentalität – hat in den angestammten Elefantenländern, in Sri Lanka und Indien, noch niemand, nicht einmal der enthemmte Kapitalist von heute, etwas auszurichten gewagt. Übrigens auch nicht mithilfe des Autoverkehrs. Man muss nur gesehen haben, wie sich Elefanten zur Rushhour in Colombo in einen Kreisverkehr einfädeln, umsichtig und flott, man kann es nur flott nennen. Oder wie sie sich durch eine Marktgasse bewegen – ohne etwas umzustoßen, aber auch ohne auf einen kleinen Mundraub zu verzichten, das heißt, mit sicherem Rüsselgriff hier eine Frucht, dort eine Nuss zu stibitzen. Man staunt, wie klein die Gegenstände sein können, die ein Rüssel sicher ergreift. Wie klein? Nun, sehr klein. Daumengroß etwa. Der Elefant ist ein herrliches Tier. Über ihn ist das letzte Wort an dieser Stelle noch nicht gesprochen.