Zur Vorbereitung auf meine Rolle als Nelson Mandela habe ich Robben Island besucht, die berüchtigte Sträflingsinsel vor Kapstadt, wo Mandela 18 Jahre lang inhaftiert war. Auch wenn das Gefängnis heute ein Museum ist, bleibt es ein unfassbar trauriger Ort. Dort wurden Menschen ermordet. Das Gefängnis war aber auch der Ort, an dem Nelson Mandela geformt wurde. Ich verbrachte eine Nacht in seiner Zelle.

Der Raum war winzig, etwa zwei mal zwei Meter. Ich konnte, in der Mitte stehend, mit meinen Händen die gegenüberliegenden Wände berühren. Es gab nichts außer einer Strohmatte, einer Decke und einem Eimer. Ich konnte mich nicht wirklich hinlegen, weil der Boden zu kalt war. Ich dachte an meine Tochter. Ich stellte mir vor, wie es wäre, hier festzusitzen und sie vielleicht niemals wiederzusehen. Stell dir vor, du könntest deine Kinder nicht mehr sehen, weil du in diesem Raum bist. Erst gegen zwei Uhr morgens schlief ich ein.

Irgendwann wachte ich auf, durch die Gegenwart von etwas sehr Kaltem, direkt vor meinem Gesicht. Meine Nackenhaare standen senkrecht. Ich sah den Korridor hinunter. Da war niemand. Nur eine kleine Birne brannte, so wie es damals üblich gewesen war. Ich war vollkommen allein, es gab keine Möglichkeit, dort herauszukommen. So hatte ich es gewollt. Für alle Fälle hatten sie mir ein Telefon gegeben, doch es hatte keinen Empfang. Aufgeweckt hatte mich ein Geist, da bin ich sicher. Er wollte mich nicht in Angst versetzen. Er gab mir einfach das Gefühl: Du bist hier nicht allein. Es war, als ob jemand hinter dir steht, den du nicht kennst, aber du musst dich nicht umdrehen, um zu wissen, dass er da ist. Er sprach nicht zu mir. Er ließ mich spüren: Danke, dass du deinen Lebensgeist an diesen toten Ort bringst.

Ich hatte in dieses Gefängnis auch den Geist meines Vaters mitgebracht. Ich weiß noch, wie er mir immer von Mandela erzählt hat, als ich klein war. Mein Vater war Arbeiter bei Ford. Er war in der Gewerkschaft und kämpfte die vielen kleinen Kämpfe, es ging um Mittagessenszeiten, Arbeitssicherheit, ungerechtfertigte Entlassungen. Seine Einstellung war: Streite für deine Rechte. Warte nicht, dass dir jemand hilft. Entscheide dich für deine Verantwortung und dein Leben. Das waren die Ideale, mit denen ich aufwuchs. Sätze, die auch Mandela gesagt hat.

Auch ich habe eine Zeit lang bei Ford in der Nachtschicht Autos zusammengeschweißt, nur etwas mehr als ein Jahr lang. Jeden Tag die gleichen Handgriffe. Schon nach einer Woche fragte ich mich: Ist das etwa alles? Mein Vater arbeitete dort beinahe 30 Jahre. Sein Tod im vergangenen September war die härteste Erfahrung, die ich je gemacht habe. Er sah den Film, bevor er starb. Er weinte.

Nelson Mandela war nur ein einzelner Mann. Er war nicht der einzige Kämpfer gegen die Apartheid. Aber er war es, der sein Land und die Welt verändert hat. Mein Traum ist, dass die Zuschauer diese Inspiration mitnehmen und sagen: Er konnte es. Was kann ich tun?

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