Am Wochenende gab sich ADAC-Präsident Peter Meyer noch tapfer. Der 64-jährige Speditionsunternehmer und Vereinsfunktionär im Ehrenamt wähnte sich an der Spitze der Aufklärer und Aufräumer und erklärte: "Ausbüxen ist das falsche Signal."

Endlich und nach einigen schweren Kommunikationspatzern schien die ADAC-Führung – das achtköpfige Präsidium und der Verwaltungsrat, also die 18 Chefs der Regionalclubs – einen Weg gefunden zu haben, um den "medialen Shitstorm" (so ein ADAC-Berater) gegen den Traditionsverein einzudämmen. Mit einem "10-Punkte-Plan" sollen Strukturen und Prozesse des Vereins und seines Wirtschaftsimperiums auf den Prüfstand kommen. Per "Sofortmaßnahme" sollen Hubschrauberflüge für Funktionäre gestoppt und das Bonussystem für Batterieverkäufe durch Pannenhelfer abgeschafft werden. Handlungsstärke soll auch die Einrichtung einer externen Website für anonyme Hinweise auf Missstände demonstrieren, ebenso wie die Berufung eines prominenten unabhängigen Ombudsmanns – so wie einst Ex-Finanzminister Theo Waigel in der Siemens-Korruptionsaffäre.

Den Notfallplan hatte die auf Krisen-PR spezialisierte Agentur CNC in aller Eile ausgearbeitet. Dafür wurde Roland Klein, 59, ein Mann für besonders heikle Fälle, extra aus London eingeflogen. Engagiert hatte die Krisenhelfer ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair, freilich erst, nachdem er die Skandalaufdecker von der Süddeutschen Zeitung beschimpft hatte. Fünf Stunden dauerte die Krisensitzung am vergangenen Donnerstag. Zum Schluss setzten die acht Präsidenten sowie 16 Chefs der Regionalclubs (einer war in Urlaub, der aus Württemberg hatte sich krank gemeldet) ihre Unterschrift auf das Deckblatt des 10-Punkte-Plans, der im Original rund 250 Seiten umfasst.

"Die Autohersteller haben alle kollektiv weggeguckt"

In der "Feuerwehrphase", nach dem Ausbruch einer Vertrauenskrise in Unternehmen und Organisationen, habe eine solche klar nach Punkten gegliederte Agenda schon oft geholfen, die Lage zu beruhigen, weiß Josef Wieland, Ethikprofessor an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. "Das Wichtigste ist der Wille zur grundsätzlichen Änderung der Führungskultur in der gesamten Organisation."

Montagmittag war dann alles anders. Peter Meyer darf die Umsetzung des Plans nicht mehr leiten. Er trat zurück und rechnete mit seinen Mitstreitern ab. Er sei es leid, allein für die Missstände verantwortlich gemacht zu werden, ließ er wissen. Zugleich kündigte er seinen Vereinskameraden im Präsidium und den hauptamtlichen Führungskräften, die er "für Fehler und Manipulationen" verantwortlich machte, die Freundschaft auf. Und das nicht etwa von der Münchner ADAC-Zentrale aus, sondern via Pressemitteilung seines Heimatclubs ADAC Nordrhein, dem er weiterhin vorsitzen will.

Meyers Schuldzuweisungen wiederum fanden seine Funktionärskollegen "total unkameradschaftlich", heißt es aus München. Man schoss zurück. Da man vergeblich versucht habe, Meyer zum freiwilligen Rücktritt zu bewegen, hätte man am Montag sonst ein "Suspendierungsverfahren" gegen Meyer eingeleitet. Dem kam er zuvor. Die erzürnten Kameraden nahmen den Rücktritt offiziell "zur Kenntnis" und verzichteten auf jede Dankesformel.

Den Vereinsvorsitz übernimmt kommissarisch nun der "Erste Vizepräsident" August Markl, ein Arzt aus München. Der ist bislang wenigstens nicht mit Flügen im ADAC-Rettungshubschrauber aufgefallen.