Rund um den Globus wird mit Währungen gehandelt, in jeder Sekunde, zwischen Banken und Brokern statt über Börsen, und so ist der Markt für Devisen der größte aller Finanzmärkte. Der Reisende, der für seinen Trip nach Kapstadt südafrikanische Rand braucht, der deutsche Konzern, der amerikanische Dollar benötigt, und die Bank, die mit japanischen Yen jongliert: All ihre Geschäfte summieren sich zu einem Wert von 5345 Milliarden Dollar – nicht im Jahr, nicht im Monat, nein, Tag für Tag. So hat es die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 2013 ermittelt. Seither soll das Volumen ein wenig gesunken sein, doch die Größenordnungen bleiben unvorstellbar.

Ausgerechnet in diesem riesigen Markt soll es zu Manipulationen durch Banken gekommen sein. Das ist zumindest der Verdacht, dem seit einigen Monaten zahlreiche Behörden in Ländern wie den USA, Großbritannien, Deutschland, der Schweiz oder Hongkong nachgehen. Viele Großbanken ermitteln intern selbst. In den jüngsten Tagen heizten neue Meldungen die Aufregung weiter an. So hat sich nun die Finanzaufsicht des Staates New York in den Fall eingeschaltet. Wie schon zuvor haben zudem Währungshändler ihren Job verloren, offenbar auch bei der Deutschen Bank, sodass die Zahl der Mitarbeiter, die wahrscheinlich in Verbindung mit Ermittlungen suspendiert oder entlassen worden sind, auf rund 20 gestiegen ist. Und dann berichtete Bloomberg auch noch, dass die britische Notenbank 2012 von Absprachen unter Händlern erfahren haben soll – ohne tätig geworden zu sein.

Um es klar zu sagen: Noch handelt es sich um Ermittlungen. Nach bisherigem Wissensstand wird keine Bank, auch kein Händler von Behörden beschuldigt. Noch ist offen, ob – und wenn ja, wie – Händler tatsächlich Wechselkurse manipuliert oder ihr Wissen für die Bank oder zur Bereicherung missbraucht haben. Klar ist aber, dass dieser Fall das Potenzial zum größten Skandal in der Geschichte der Finanzwelt hat, größer noch als die Manipulationen internationaler Zinssätze, die bereits zu Strafzahlungen von mehreren Milliarden Dollar geführt haben und die Behörden veranlassten, sich andere Referenzwerte der Finanzmärkte näher anzuschauen.

Wie aber sind Manipulationen in einem Markt, der so groß ist, überhaupt möglich?

Im Zentrum des Interesses steht ein Schauspiel, das von Montag bis Freitag stets um vier Uhr Nachmittags in London über die Bühne geht, dem bedeutendsten Handelsplatz für Währungen. Dabei ermitteln die beiden Informationsdienstleister World Markets und Thomson Reuters die Wechselkurse der wichtigsten Währungen, und zwar auf Basis aller Transaktionen, die in einem Zeitfenster von 60 Sekunden vollzogen werden. Die bei diesem "Fixing" ermittelten Kurse dienen vor allem Fonds und Vermögensverwaltern als Zeitpunkt oder Referenzwert für ihre Geschäfte.