"Tolle Lightshow", sagt meine Freundin Isi, als ich auf den Knopf drücke und unter dem schwarzen Gummi des Armbands Zahlen blinken. "Was kann das denn?" – "Damit kann man Punkte sammeln." – "Das ist alles? Na ja, trotzdem: ganz schick."

Fitness-Tracker sind das Must-have dieses Winters. Sie zählen Schritte, messen Herzschläge und überspielen die Daten auf Smartphones, Computer oder Websites, wo man sie mit denen anderer Nutzer vergleichen kann. Oder sie posten die Daten gleich bei Facebook. Das FuelBand von Nike misst Bewegung und vergibt Aktivitätspunkte, sogenannte Fuels. Die Formel zur Berechnung wird etwa so gut gehütet wie das Rezept von Coca-Cola. Mir scheinen sie eher eine Fantasiewährung zu sein. Aber vielleicht taugen sie zur Motivation?

Zauchensee im Salzburger Land. Strahlend blauer Himmel, frisch gefallener Postkartenschnee. Mit der Gondel fahren wir auf den Gamskogel, hier beginnt auf 2.176 Metern die Weltcup-Strecke. Wir entscheiden uns für die danebenliegende blaue Piste, 20 Minuten dauert die Abfahrt in langen, genießerischen Schwüngen. Nach sechs Abfahrten will ich wissen, was mein digitaler Coach dazu sagt: schlappe 1.600 Fuels, das Tagesziel sind 2.872. Fast vier Stunden auf Skiern unterwegs, und was fällt ihm dazu ein? Im "Vergleich zu Damen Alter 40 bis 49" sei ich "1.272 Fuels dahinter". Nachgeschoben noch das halbherzige Kompliment: "Ein starker Nachmittag". Etwas ungalant, auch wenn er versucht, es wiedergutmachen, und mir fürs Tanzen beim Après-Ski 400 Punkte gibt.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Am nächsten Tag hängen die Berge in dichtem Nebel, es schneit. Wir fahren nach Salzburg. Ein Bummel durch die Stadt, dann wird es auch hier ungemütlich. Wir suchen Schutz in einem Schuhgeschäft. Isi kauft ein paar schwarze Ankle-Boots, bei mir kommen Lammfellstiefel in die Tüte. Schuhekaufen zählt eher zu den maßvollen körperlichen Aktivitäten. Doch das FuelBand ist begeistert: 3.234 Punkte. "Dein bester Tag überhaupt!" Vielleicht hat die Geheimformel ja den Entscheidungsstress einkalkuliert. Auf dem Rückweg liegt das FuelBand im Kofferraum und zählt vor Freude mehr als 500 Punkte. Einfach so. Auch ich bin bester Laune. Der Tag hat mir eine neue Erkenntnis beschert: Leichtes Shoppen bringt doppelt so viel für die Fitness wie ein ganzer Tag Skifahren.

Technische Daten

Material: Kunststoff, Magnesium, Stahl
Display: 20 farbige und 100 weiße LEDs
Gewicht: 27 g (Größe S)
Akku: Lithium-Polymer
Anschluss: USB
Smartphone-App: iOS 5 oder höher
Basispreis: 139 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin des ZEITmagazins