Der Generalvikar des Bistums Limburg, Wolfgang Rösch © Fredrik von Erichsen/dpa

DIE ZEIT: Herr Rösch, die Stimmung ist schlecht in Limburg. Viele Katholiken wollen nicht, dass ihr Bischof wiederkommt. Ist das auch Ihr Eindruck?

Wolfgang Rösch: Ich spüre eine große Enttäuschung im Bistum. Manche Menschen haben den Bischof schon sehr früh verurteilt. In den Medien wurde auch abfällig über ihn geschrieben. Es gibt auch Befürworter des Bischofs. Nach dem Besuch des päpstlichen Visitators Kardinal Lajolo im September dachte ich, dass Bischof und Bistum wieder aufeinander zugehen können. Aber dann kamen die Ereignisse Mitte Oktober, und der Bischof hat die Diözese verlassen. Die Lage im Bistum hat sich beruhigt, und ich empfinde sie jetzt als konstruktiv.

ZEIT: Sie bekommen viele Briefe von Gläubigen. Was antworten Sie ihnen?

Rösch: Ich konzentriere mich nicht auf die Frage, ob der Bischof wiederkommen soll oder nicht. Ich werbe dafür, auch weiterhin Kirche zu gestalten und in ihr zu leben.

ZEIT: Gibt es auch noch Leute, die sagen: Wir wollen den Bischof behalten?

Rösch: Diese Menschen gibt es. Auch Stimmen, die sich mit dem Bischof solidarisieren. Aber einhellig ist die Stimmung nicht.

ZEIT: Franz-Peter Tebartz-van Elst selbst hat Sie im vergangenen Jahr zum Nachfolger von Franz Kaspar als Generalvikar bestimmt. Doch vorzeitig eingesetzt wurden Sie im Oktober vom Vatikan, weil der Bischof seine Amtsgeschäfte ruhen lassen musste. Sie sind in einer schwierigen Position als Vertreter des Bischofs.

Rösch: Ja, ich bin sehr stark an seine Person gebunden. Ein Generalvikar handelt kirchenrechtlich immer im Auftrag seines Bischofs. Aber ich bin eingesetzt vom Vatikan und allein ihm rechenschafts- und informationspflichtig. Insofern habe ich es auch einfacher. Der Bischof hält sich an die Vorgabe Roms und hat mir seit Ende Oktober keine Anweisungen erteilt.

ZEIT: Die Zurückhaltung hat ihm Rom auferlegt. Nach dem Kirchenrecht kann er Ihnen immer noch Weisungen erteilen.

Rösch: Rein theoretisch könnte er das. Gegen ihn ist ja keine Suspendierung ausgesprochen und damit auch keine Entscheidung vorweggenommen worden. Der Vatikan hat ihm gewährt, sich außerhalb der Diözese aufzuhalten. Der Papst hat hier, meine ich, klug gehandelt.

ZEIT: Der Bischof wählte das Kloster Metten. Doch neuerdings kommt er wieder nach Limburg. Wussten Sie, wenn er da war?

Rösch: Nein, das wusste ich nicht.

ZEIT: Aber Sie haben ihn im Kloster besucht.

Rösch: Ja, genau. Ich habe ihn vor Weihnachten einmal besucht. Am nächsten Tag war er hier, um private Dinge zu erledigen.

ZEIT: Und er hatte nicht gesagt, dass er kommt?

Rösch: Nein, hatte er nicht. Sie merken, dass wir im Umgang miteinander sehr diskret sind.

ZEIT: Ist Ihr Vertrauensverhältnis zum Bischof angeschlagen, seit Sie vom Vatikan vorzeitig eingesetzt wurden?

Rösch: Der Bischof hat mich eingesetzt, weil ich eine Person seines Vertrauens bin, aber sicher auch, weil ich im Bistum Vertrauen genieße. Meine Tätigkeit im Bistum während seiner Abwesenheit verändert natürlich zwangsläufig die Situation.

ZEIT: Wenn Tebartz-van Elst als Bischof weitermachen würde, könnten Sie Generalvikar bleiben?

Rösch: Wenn der Bischof wiederkommt, liegt es allein bei ihm, was aus mir wird. Mein Schicksal ist gekoppelt an seines. Wenn er nicht mehr Bischof ist, bin ich auch nicht mehr Generalvikar.

ZEIT: Was machen Sie dann?

Rösch: Ich bin Priester. Da fällt man nicht weiter zurück als auf die Position eines Pfarrers. Das gibt mir innere Freiheit.

ZEIT: Sie sind im Moment eine Art Krisenmanager. Sie vertreten das Bistum auch in den Gremien der Deutschen Bischofskonferenz. Wie ist die Stimmung in diesen Gremien? Auch die anderen Bischöfe wollen doch wissen, wie es weitergeht in Limburg.

Rösch: Ja, sicher! Aber das wird Rom entscheiden. Außerdem möchte jeder verstehen, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Sie alle kennen den Bischof, er wurde geschätzt. Es ist unwürdig, den Bischof als Person öffentlich zu diffamieren. Andere sprechen die Schuld besonderen Limburger Verhältnissen zu. Das ist nicht zutreffend, und das hat unser Bistum nicht verdient. Wir sind Teil der Weltkirche, und wir sind Rom eng verbunden.