ZEITmagazin: Herr Liefers, Ihr Vater war Regisseur, Ihre Mutter Schauspielerin, Ihr Großvater Schauspieler. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Jan Josef Liefers: Meine Eltern haben in Dresden am Theater gearbeitet, nicht weit davon war mein Kindergarten. Nachmittags um 16 Uhr wurde ich zu einer Lücke im Zaun gebracht, ging rüber ins Theater meiner Eltern und durfte den Rest des Tages dort verbringen. Das war für mich immer wie Alice im Wunderland: Alles, wofür ich tagsüber gemaßregelt und zurechtgewiesen wurde, war in der Theaterwelt willkommen, ich wurde dazu angefeuert, mich auszudrücken, und konnte meine Spinnereien loswerden. In der Theaterwelt fand man mein Benehmen nicht störend.

ZEITmagazin: Aber sonst schon?

Liefers: Oh ja, ich hatte schon das Gefühl, dass ich das bin, was man den Schmerz am Arsch nennt. Schon im Kindergarten wurde ich mit Aussagen konfrontiert wie "Hör auf damit, lass das jetzt", was man Kindern halt sagt, die sich nicht benehmen können. In der Schule war ich zwar faul, aber sehr gut und habe manche Lehrer zur Weißglut getrieben. Ich habe einfach Dinge behauptet, wie Goethe habe an Eckermann im Brief Nr. 37 das und das geschrieben – einfach nur, weil ich wusste, die Lehrer haben es sowieso nicht gelesen. Ich glaube, dafür haben die mich dann zum Teil auch gehasst, aber im Großen und Ganzen haben sie gesagt, okay, das ist halt ein Schauspielerkind.

ZEITmagazin: In welchem Alter war Ihnen klar, dass Sie auch Schauspieler werden wollen?

Liefers: Schon früh. Die Schauspielerei war mir eine vertraute Welt, und dass ich in diese Welt reingeboren worden war, war meine Rettung. Ich wusste, dass man in dieser Nische mehr Freiheit hat als anderswo und dass es für mich gut ist, dahin zu gehen, wo ich mich nicht mit jedem autoritären Typ anlegen muss. Erst später habe ich bemerkt, dass es auch am Theater autoritäre Strukturen gibt, die ich ja dann auch irgendwann verlassen habe. Was ich jetzt mache – Filme drehen, gelegentlich Theater spielen und Musik machen, alles mit Leuten, die ich mag und von denen ich weiß, das wird eine tolle Zeit –, das ist wahrscheinlich das Höchstmaß an Freiheit, das man sich in meinem Beruf nur wünschen kann.