Es dürfte bislang wenige Visionen gegeben haben, die der Harvard-Ökonom Larry Summers und der Internet-Investor Peter Thiel miteinander teilten. Summers war Minister bei Bill Clinton und Berater von Barack Obama. Der in Frankfurt geborene und in Kalifornien lebende Thiel dagegen unterstützte im Wahlkampf die ultrakonservative Tea Party, auf dass sie der Herrschaft Obamas ein Ende setze. Doch nun sind sich die beiden Männer einmal in einer sehr grundlegenden Angelegenheit einig – und so sie recht behalten, erlebt die Welt eine Zeitenwende.

Summers sagt: Der Weltwirtschaft geht die Wachstumskraft aus, weil die Wohlhabenden zu wenig investieren. Thiel sagt: Der Welt gehen die Innovationen aus, weil die Erfinder und Unternehmer nicht wagemutig genug sind, um revolutionäre Neuerungen hervorzubringen. Die jüngsten Hoffnungen von Nano- bis Gentechnologie haben ihre Versprechen nicht erfüllt. Das Fazit beider: Die Welt strebt dem vorläufigen Ende ihrer wirtschaftlichen Entwicklung entgegen.

Natürlich wollen sie sich dagegenstemmen. Der eine, Summers, mit riesigen staatlichen Investitionen, der andere, Thiel, mit mehr Freiheit für die Revolutionäre der Technik.

Doch was, wenn das nicht gelingt?

Dann könnte das Wachstum einschlafen, meint der amerikanische Ökonom Robert J. Gordon – und die 250 Jahre seit der industriellen Revolution würden zur einmaligen Episode in der Menschheitsgeschichte. Sie begann durch die Erfindungen der Dampfmaschine, des Webstuhls und der Eisenbahn mit der ersten industriellen Revolution zwischen 1750 und 1830. Sie ging weiter mit einer zweiten Umwälzung zwischen 1870 und 1900 durch Elektrizität und Verbrennungsmotor. Und sie fand ihren Abschluss mit einer dritten Revolution rund um den Computer zwischen 1960 und 2000. Das war’s. Aus. Vorbei.

Der Computer habe vor allem bis in die achtziger Jahre Arbeitsplätze ersetzt und Kräfte für neuen Wohlstand frei gemacht, schreibt Gordon. Seither sei Schluss mit Wachstum durch Technik: "Die Erfindungen seit dem Jahr 2000 drehen sich vor allem um Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräte, die kleiner, klüger und leistungsfähiger sind." Aber den Lebensstandard könnten solche Neuerungen nicht in einer Art verändern, wie es das elektrische Licht, Autos oder die Wassertoilette vermochten.

Fällt uns wirklich nichts Vernünftiges mehr ein? Muss erst der Staat mit neuen Billionenschulden helfen, wie Summers es sich wünscht, oder müssen wir, wie Thiel glaubt, alle Fesseln für die Wirtschaft lösen, um neues Feuer anzufachen?

Nichts da, dieses Feuer brennt längst, widersprechen Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, zwei Forscher von der führenden Technik-Universität der Welt, dem Massachusetts Institute of Technology. Ihr Buch Das zweite Maschinen-Zeitalter begeisterte jüngst die Managerelite auf dem World Economic Forum in Davos – und es ängstigte sie auch ein wenig. Die These: Die digitale Revolution hat gerade erst begonnen. Jetzt setzt sie dazu an, nach unserer körperlichen auch unsere geistige Arbeit zu erleichtern und zu ersetzen.