In Deutschland studieren derzeit so viele junge Menschen wie noch nie; 2,4 Millionen Studenten sind an den Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren stetig nach oben entwickelt – die Zahl der Professoren aber ist nahezu gleich geblieben. Die zusätzlichen Mittel, die im Rahmen des Hochschulpaktes von Bund und Ländern an die Unis gezahlt werden, um den großen Andrang von Studienanfängern zu bewältigen, werden vor allem dazu genutzt, Lehrbeauftragte mit befristeten Verträgen einzustellen und nur wenige Professoren auf festen Stellen.

Das führt dazu, dass sich ein Hochschullehrer um immer mehr Studenten kümmern muss. Im Jahr 2012, aus dem die aktuellsten Zahlen stammen, kamen auf einen Universitätsprofessor gerade mal 64 Studenten. Vier Jahre zuvor waren es 58. Lässt man private und stark spezialisierte Unis beiseite und betrachtet alle anderen, an denen immerhin neun von zehn aller Universitätsstudenten eingeschrieben sind, liegt das Betreuungsverhältnis sogar bei 1 zu 70. Es wird sehr deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Universitäten sind.

Die ZEIT hat mit Daten des Statistischen Bundesamtes die Betreuungsrelationen an allen deutschen Universitäten ausgerechnet: Während in Göttingen nur 50 Studenten auf einen Professor kommen, sind es in Flensburg 70 und in Dortmund sogar mehr als 100. Wie ist das möglich? Fünf Erklärungen.

Das Geld der Länder

Nicht alle Unis haben gleich viel Geld zur Verfügung, um damit Stellen zu schaffen. Die Finanzierung von Hochschulen ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Und die geben unterschiedlich viel Geld pro Student. Niedersächsische Unis beispielsweise erhalten pro Student 12.000 Euro, in Bayern liegen die Ausgaben bei 9.210 Euro pro Student und in Nordrhein-Westfalen bei 7.550 Euro. Das schlägt sich nieder in den Studienbedingungen. Die Auswirkungen zeigen sich in der Rangliste der Unis: Niedersächsische Universitäten wie die in Göttingen und Osnabrück bieten ein vergleichsweise gutes Betreuungsverhältnis. Die Uni Bochum oder die TU Dortmund schneiden eher schlecht ab. Allerdings trägt gerade Nordrhein-Westfalen eine besondere Last: Jeder vierte Student studiert in diesem Bundesland.

Das Fächerspektrum

Doch es gibt auch Unterschiede innerhalb eines Bundeslandes. Warum ist das Betreuungsverhältnis an der Uni Köln so viel schlechter als jenes an der nur wenige Kilometer entfernten Uni Bonn? Der Kölner Uni-Rektor Axel Freimuth erklärt dies vor allem mit dem Fächerangebot. Das Fach Betriebswirtschaftslehre etwa, für das in Köln über 2.500 Studenten eingeschrieben sind, schlage besonders negativ zu Buche: Hier müsse ein Professor mehr als 150 Studierende betreuen.

Dass die Betreuungsrelationen in Massenfächern wie BWL, Jura oder Germanistik schlechter sind als in Mineralogie, Äthiopistik und Keilschriftkunde, dürfte kaum überraschen. Damit lassen sich die Unterschiede zwischen einzelnen Unis aber nur zum Teil erklären. Unabhängig von der Studierendenzahl ist nämlich für zulassungsbeschränkte Studiengänge in der sogenannten Kapazitätsverordnung von vornherein festgelegt, in welchem Fach den Studenten welche Betreuungsverhältnisse zuzumuten sind. Dabei definiert der vom Ministerium festgesetzte Curricular-Normwert (CNW), wie viele Lehrveranstaltungsstunden notwendig sind, um einen Studenten auszubilden. In Nordrhein-Westfalen liegt er beispielsweise bei 1,9 für BWL, bei 3,6 für Informatik und bei 7,6 bei Tiermedizin. Bei Fächern mit einem hohen CNW geht man von einem großen Betreuungsaufwand aus – beispielsweise weil der Studienplan viele Seminare und wenige Vorlesungen vorsieht.

Die Kapazitätsverordnung ist ein Überbleibsel aus den siebziger Jahren, aus der Zeit der großen Bildungsexpansion, als die Universitäten für die Massen geöffnet wurden. Sie soll dafür sorgen, dass die Kapazitäten der Universitäten maximal ausgereizt werden, sie ist aber auch Ursache eines frustrierenden Nullsummenspiels: Selbst wenn an einer Universität mehr reguläre Professuren für einen stark frequentierten, zulassungsbeschränkten Studiengang geschaffen würden, würde sich die Betreuungsrelation nicht verbessern – denn dann müsste die Universität auch mehr Studenten aufnehmen.