DIE ZEIT: Herr de Val, Sie sind Dresdens bekanntester DJ. Ich würde mit Ihnen gerne übers Nachtleben sprechen.

György de Val: ... als Erstes gewöhnst du dir mal das "Sie" ab. Bei uns in der Neustadt sagt man "du".

ZEIT: Verstehe. Die Neustadt macht es Auswärtigen nicht leicht: viele bunte Häuser mit kleinen Läden, Designerboutiquen, Plattengeschäfte, Kneipen. Doch wo geht man abends hin?

De Val: Für mich liegt das Zentrum an der Ecke Rothenburger-und Louisenstraße. Abends treffen sich da alle, sitzen auf Fensterbänken, hocken auf Bordsteinen, trinken Bier und quatschen, Teenies, Studenten, Grauhaarige. Die Neustädter nennen das Eck Bermudadreieck.

ZEIT: Aber du willst da nicht jetzt schon versacken!

De Val: Für ein frühes Bier mag ich auch das "Wohnzimmer" in der Jordanstraße. Man fühlt sich ein bisschen wie auf dem Set eines Siebziger-Jahre-Films. Überall Orange, Gelb, Grün, bunte Kreise auf der Tapete. Dazu läuft Musik von jungen skandinavischen Bands. Ein schöner Kontrast. Angenehm finde ich auch das "Madness". Eine alte, dunkle Rockerkneipe, in der man rauchen darf.

ZEIT: In einer Rockerkneipe hätte man dich nicht vermutet. Dein Label spur-1-Music ist die Adresse für elektronische Musik in Dresden.

De Val: Dresden war vor ein paar Jahren eine Hochburg für elektronische Musik. Viele bekannte Namen sind hier aufgetreten: Bonobo, Modelektor, Apparat, DJ Rush. Doch die Clubs wurden schnell kommerziell und schickimicki, und so was funktioniert hier nicht. Die Leute blieben weg oder suchten sich kleinere, weniger elitäre Clubs.

ZEIT: Hast du eine Empfehlung?

De Val: Auf jeden Fall das "Sabotage", dunkel und winzig, auf die Tanzfläche passen gerade 150 Leute. Da kann man richtig gut feiern. Die haben auch einen eigenen Drink, den Sabotage, mit mehreren Rums und Wodkas. Sollte man nur einen trinken, sonst sabotiert er, dass man an dem Abend noch aufrecht steht. Und das wäre schade. "Sabotage" ist der Place to go, wenn man auf Bassmusic steht. Trotzdem sind Jeans und T-Shirt hier völlig okay.

ZEIT: Klingt entspannt.

De Val: Die Neustadt ist ein eher linkes Viertel. Hier geht es nicht unbedingt um Coolness. Die Leute sind neugierig, entdeckungsfreudig. Bei uns kommen Musiktrends zwar gerne mal fünf Jahre verspätet an. Aber dann rennen alle hin, und der Saal bebt. Auch junge Bands haben einen leichteren Start.