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Früher verbreiteten sich Bräuche so langsam wie Gletscher. Sie kämpften sich mühsam voran – und blieben irgendwo stecken, wenn ein anderer Brauch um die Ecke kam. Der moderne Brauch der Liebesbrücken war vor ein paar Jahrzehnten in China beliebt, dann in Italien, dann kam er vor etwa sechs Jahren nach Köln. Heute ist er in fast ganz Deutschland verbreitet. Wesen des Brauches ist es, dass Paare Vorhängeschlösser mit ihren eingravierten Namen an Brücken befestigen und dann den Schlüssel in den Fluss werfen (manchmal auch auf die S-Bahn-Schienen).

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Es besteht Grund zu der Annahme, dass ein paar Brücken auf der Karte fehlen, denn stündlich können weitere Exemplare zu Liebesbrücken werden. Der Brauch verdankt seinen Erfolg vielleicht den flüchtigen Liebesschwüren im Datenverkehr, vielleicht aber auch dem Umstand, dass ein Schloss anders als ein Tattoo niemanden mehr kümmern muss, wenn die Liebe zu Ende geht. Dann war es klüger, Schlösser graviert zu haben als die eigene Haut.