Das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) steht auf der Kippe, denn die Diskussion ist unsachlich – und geprägt von Sorgen um Datenkraken, Chlorhühnchen und Hormonfleisch. TTIP könnte europäische Errungenschaften im Verbraucherschutz gefährden.

Doch ein Scheitern wäre fatal. Noch heute gilt, was schon der Ökonom Adam Smith beschrieben hat: Freier Handel, also die internationale Arbeitsteilung, ermöglicht die Spezialisierung; wenn jeder das tut, was er am besten kann, steigert das den Wohlstand aller. Zugleich erleichtert Handel Innovationen, weil sich Forschung und Entwicklung auf globalen Märkten mit mehr Kunden schneller auszahlen. Und er verschärft den Wettbewerb unter den Unternehmen und sorgt so für sinkende Produktpreise.

Gemäß einer aktuellen Studie der Universität Chicago wäre das reale Pro-Kopf-Einkommen der Deutschen um bis zu 50 Prozent niedriger, wenn das Land keinen Zugang zu internationalen Märkten hätte. Der gegenseitige Abbau von Zöllen, bürokratischen Handelshemmnissen und unnötigen Vorschriften erhöht den Wohlstand der Nationen.

TTIP würde nur Europa und die Vereinigten Staaten von Schranken befreien. Doch beide stehen für rund ein Drittel des Welthandels. Eins sollte man jedoch nicht außer Acht lassen. Ein Abkommen wie TTIP schafft zwischen den Vertragspartnern zwar neuen Handel, reduziert aber den Handel mit Drittländern.

0,3 Prozent mehr Wirtschaftswachstum

Es gibt bereits etwa 350 regionale Handelsabkommen. Ihre Effekte sind immer wieder analysiert worden. Ergebnis: Im Durchschnitt erhöhen die existierenden Abkommen den Handel zwischen den beteiligten Ländern um 40 bis 120 Prozent. Diese Schätzungen suggerieren, dass die Abkommen die Handelskosten zwischen den Partnerländern sehr deutlich gesenkt haben. Modellrechnungen des ifo Instituts zeigen zudem, dass mit dem TTIP das reale Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland langfristig um etwa fünf Prozent höher sein könnte als der Status quo. Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren das jährliche Wachstum um 0,3 Prozentpunkte über jenem ohne Handelsliberalisierung läge.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Kritiker werfen den Befürwortern von TTIP vor, ein Märchen von einem Jobwunder zu erzählen. Die offizielle Kommunikation ist tatsächlich geradezu besessen von Beschäftigungseffekten. Die Hoffnung, dass TTIP die Beschäftigung steigern wird, ist aber berechtigt. Und selbst wenn TTIP keinen einzigen neuen Job schaffte, wäre das Abkommen zu begrüßen. Es würde nämlich die Kaufkraft der Löhne und anderer Einkommen erhöhen.

Zahlreiche Studien der OECD bestätigen, dass Wettbewerb auf den Produktmärkten die Arbeitslosigkeit mindert. Das Absenken von Handelsbarrieren sollte ähnliche Effekte entfalten. Selbst wenn kurzfristig Arbeitsplätze verloren gingen, schafft ein Handelsabkommen langfristig zusätzliche Jobs. Empirischen Schätzungen zufolge müsste die zunehmende Handelsverflechtung von Deutschland seit 1997 mit etwa einem Prozentpunkt zur Senkung der Arbeitslosigkeit beigetragen haben.