DIE ZEIT: Frau Schulze, als Wissenschaftsministerin sollen Sie Forschung und Lehre fördern – stattdessen führen Sie mit den Hochschulen Krieg. Aus Ärger über Ihren Entwurf für ein neues Hochschulgesetz haben die Unis Ihnen die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die Bildungsrepublik fragt sich: Was ist da los in Nordrhein-Westfalen?

Svenja Schulze: Wir befinden uns in der Auseinandersetzung um ein Gesetz. Seit zweieinhalb Jahren reden wir mit allen Gruppen über die Veränderungen, die wir mit dem neuen Gesetz vornehmen müssen. Das ist ein normaler demokratischer Prozess – und kein Krieg.

Horst Hippler: Aber es ist doch nicht normal, dass die Universitäten eines Landes die Unterschriften zu den Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium verweigern. In mehr als dreißig Jahren als Professor und Universitätspräsident habe ich solch heftigen Widerstand von Hochschulen noch nie erlebt.

ZEIT: Was bringt Sie und die Hochschulchefs in NRW denn so sehr gegen die Ministerin auf?

Hippler: Uns stört das Misstrauen, dass Frau Schulze den Hochschulen entgegenbringt. Den NRW-Hochschulen wird unterstellt, sie würden ihren Aufgaben nicht gerecht. Das ist doch absurd.

Schulze: Ich sehe kein Misstrauen. Wir arbeiten sehr gut miteinander.

Hippler: Aber Sie tun so, als ob die Hochschulen nicht zum Wohle des Landes handeln würden. Dabei hat sich gerade in Nordrhein-Westfalen die Wissenschaftslandschaft fantastisch entwickelt. Die Hochschulen habe ihre Drittmittel enorm gesteigert. Bei der Exzellenzinitiative sind zum Beispiel die RWTH Aachen und die Universität Köln außerordentlich erfolgreich. Gleichzeitig haben die Hochschulen den doppelten Abiturjahrgang bewältigt und bieten heute mehr Studienplätze an als jemals zuvor. Und nach diesen Kraftakten und Erfolgen kommen Sie und sagen, die Hochschulen würden ihrer Verantwortung für das Land nicht gerecht. Und legen einen Gesetzentwurf vor, der den Geist staatlicher Kontrolle atmet.

Schulze: Es geht nicht um eine Bilanz, sondern um eine Weiterentwicklung. Das Gesetz richtet sich in die Zukunft. Und da geht es darum, an den Hochschulen für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen und für weniger Studienabbrecher. Wir brauchen mehr Transparenz bei der Frage, woher die Hochschulen ihre Drittmittel bekommen, und wir müssen dafür sorgen, dass wir auf allen Ebenen die Zahl der Frauen erhöhen. Für die Bewältigung dieser Aufgaben müssen Staat und Hochschulen wieder ein bisschen näher zusammenzurücken.

ZEIT: Heißt näher zusammenrücken: Das Ministerium möchte wieder mehr entscheiden?

Schulze: Im Augenblick hat das Land so gut wie keinen Einfluss auf die Hochschulplanung. Als Ministerin muss ich aber an die Interessen des Landes denken. Ich kann es nicht jeder Hochschule überlassen, mit öffentlichem Geld ihre Interessen zu verfolgen. Als Land sind uns die Hände gebunden, wenn es etwa darum geht, die Vielfalt der kleinen Fächer zu erhalten. Wenn eine Universität beispielsweise beschließen würde, das einzige Studienangebot in den Agrarwissenschaften zu schließen, dann kann ich nichts machen. Das geht nicht.