Oberlech Nummer 50 ist eine der teuersten Adressen der Alpen. In dem exklusiven Ortsteil des Vorarlberger Skiorts Lech hat René Benko einen Traum verwirklicht, das Chalet N. In nur sieben Monaten ließ der erfolgsverwöhnte Immobilientycoon die teuerste Ferienvilla der Alpen errichten. Ein riesiger Pool und Duschen, die eines Thermalbades würdig sind, ein erlesener Weinkeller, der keine Wünsche offenlässt, und ein Medienraum, der für ein kleines Kino reicht – das hölzerne Doppelhaus mit acht opulenten Suiten setzt Maßstäbe im Luxustourismus. Für 275.000 Euro pro Woche kann der betuchte Gast hier absteigen.

Nirgendwo sonst in den Alpen kann ein Tourist in so kurzer Zeit so viel Geld loswerden. Ein Traum für Oligarchen aus dem tiefen Osten. Trotzdem: Bei Baukosten von geschätzten 40 Millionen Euro kann sich das Lustschloss wirtschaftlich nie und nimmer rechnen. Lech ist eine Wintersportdestination. Wenn das weiße Gold schmilzt, herrscht hier beschauliche Ruhe.

Die ökonomische Perspektive schreckt den Selfmademan Benko aber nicht. Warum auch? "Das Chalet N ist ein Schaufenster. Damit zeigt er seinen Erfolg, seinen Reichtum und lockt somit noch mehr Geld an", meint ein Bewunderer. "Alles, was ich anfasse, wird zu Gold", sang die Düsseldorfer Band Stabil Elite auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Die Liedzeile könnte das Lebensmotto des Tirolers sein.

Das Privatvermögen des 36-Jährigen wird auf 550 Millionen Euro geschätzt. Genau weiß es keiner, nicht einmal seine Vertrauten. Benko liebt einen aufwendigen Lebensstil. Mit seinem Privatjet sowie der Vorliebe für schnelle Autos und Helikopter beeindruckt er Kunden und Vertragspartner. Einer, der mit 17 Jahren die Schule abbricht, in seiner Heimatstadt beginnt, staubige Dachböden auszubauen und zu verkaufen, der sich aus einem Beamtenelternhaus nach oben arbeitet und ein Vermögen anhäuft, genießt auch in Kreisen von Milliardären Respekt.

Seinen großen Auftritt hat er alljährlich in Kitzbühel. Nach dem Hahnenkammrennen präsentiert sich der Immobilienunternehmer mit legerer Five-Pocket-Hose und schwarzem Samtsakko. Die zwei obersten Knöpfe des schwarzen Hemds sind offen. Er ist ein wandlungsfähiger Unternehmer und kann im Maßanzug auf der Vorstandsetage ebenso gut verhandeln, wie er auf Firmen- oder Seitenblicke-Veranstaltungen als glänzender Entertainer in Erscheinung tritt. Benko ist immer im Dienst. Daher ist Kitzbühel für ihn Business und Fun zugleich.

Zur Freude der Fotografen legt seine größere, aparte Ehefrau Nathalie, die Namenspatin des noblen Chalets in Lech, die flache Hand auf seine Brust oder schmiegt ihre Wange an die seine. Nur noch Blitzlichtgewitter. Benko wirkt anziehend. Gerne posiert die Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur mit ihm: Vizekanzler Michael Spindelegger, ORF-General Alexander Wrabetz, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Niki Lauda oder Tina Turner – die Liste ist lang. Benko ist längst selbst ein Star.

In Österreich ist er zudem der Unberührbare. Sich kritisch über ihn zu äußern ist ein Tabu. Die Querschüsse kommen immer aus der Deckung, namentlich zitiert werden will keiner.