Ende August letzten Jahres hatte der Rapper Kanye West einen recht exklusiven Auftritt im Hotel Royal Tulip in Almaty, Kasachstan. Anlass war die Hochzeit des Enkels von Präsident Nursultan Nasarbajew. Im selben Jahr hatte Jennifer Lopez Happy Birthday, Mr. President gesungen – für den turkmenischen Diktator Gurbanguli Berdimuhamedow. Der Reality-TV-Star Kim Kardashian schrieb im Jahr zuvor auf Twitter, sie habe sich "in das Königreich Bahrain verliebt", nachdem sie dort einen Milchshake-Laden eröffnet hatte. Der Sänger Seal und die Schauspielerin Hilary Swank gaben dem starken Mann Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow, die Ehre, als der 35 wurde und eine Party feierte.

Wenn Despoten nicht gerade gestürzt werden, wie jetzt in der Ukraine, sind solche Auftritte die raren Momente, in denen sie im Zentrum der Weltöffentlichkeit stehen. Gut möglich, dass ein großer Teil der demokratischen Welt nur bei diesen Gelegenheiten von der Existenz einiger dieser Kleptokraten erfährt. Gut möglich, dass die Kleptokraten, wenn für sie gesungen wird, wirklich glauben, was Henry Kissinger, der auch oft schöne Frauen an seiner Seite hatte, einmal behauptet hat: dass Macht das stärkste Aphrodisiakum sei.

Private Auftritte waren für Künstler schon immer eine Gelegenheit, nebenher Geld zu verdienen, gutes Geld (die genauen Summen für diese Art von Auftritten werden üblicherweise nicht bekannt, aber es wäre naiv, zu glauben, dass es dabei um Freundschaftspreise geht). Anders als früher ist es heute nahezu unmöglich, dass diese Auftritte nicht bekannt werden, machen Fotos von Privatpartys im Internet doch schnell die Runde.

Hinterher folgt zumeist eine Entschuldigung: Es sei nicht klar gewesen, für wen man gesungen habe (Beyoncé, Usher und Mariah Carey), oder man habe nichts von Menschenrechtsverletzungen gewusst (Jennifer Lopez, der man das sogar glauben kann). Sting behauptete, das Konzert in Usbekistan sei seines Wissens von Unicef gesponsert gewesen. Das wäre eine schöne Entschuldigung gewesen, wenn sie nur gestimmt hätte. Oft folgen auch symbolische Akte: Hilary Swank feuerte einen Manager, Beyoncé, Usher und Mariah Carey spendeten Geld. Seal bildet die Ausnahme, er stand zu seinem Besuch in Tschetschenien, indem er nach seinem Auftritt behauptete: "Ich spielte Musik für das tschetschenische Volk." Es hat nur leider bloß ein winziger Teil dieses Volks Eintrittskarten bekommen.

Libyen

José Carreras sang beim Concert for Peace für Muammar al-Gaddafi (2006)
Lionel Richie sang bei demselben Konzert
Beyoncé trat bei der Silvesterparty 2009 von Mutassim Gaddafi auf, Sohn von Muammar al-Gaddafi
Usher trat bei derselben Party auf
Mariah Carey trat bei der Silvesterparty 2008 auf

Äquatorialguinea

Julio Iglesias trat bei einer Veranstaltung von Teodoro Obiang Nguema Mangue auf, Sohn von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (2012)

Tschetschenien

Vanessa Mae spielte Geige auf der Geburtstagsparty von Ramsan Kadyrow (2011)
Seal sang zwei Lieder auf der Party
Hilary Swank war zu Gast auf der Party

Kasachstan

Kanye West sang auf der Hochzeitsparty von Nursultan Nasarbajews Enkel (2013)

Usbekistan

Gérard Depardieu sang im Duett mit Gulnora Karimova, Tochter von Islom Karimov (2012)
Sting trat bei einem Festival der Tochter auf (2009)

Turkmenistan

Jennifer Lopez sang für Gurbanguly Berdimuhamedow Happy Birthday, Mr. President (2013)

Bahrain

Kim Kardashian trat bei einer Ladeneröffnung auf (2012)