Pünktlich zum Internationalen Frauentag kann der deutsche Feminismus einen weiteren seiner traurigen Siege feiern. Das Europäische Parlament hat jetzt beschlossen, in Sachen Prostitution dem "nordischen Modell" zu folgen: Es soll kein Unterschied mehr zwischen Zwangsprostitution und freiwilliger Prostitution gemacht werden, jeder Freier wird bestraft. Dabei spielt keine Rolle, dass die schwedische Erfahrung mit dem Gesetz nicht ermutigend ist; die Zahl der Freier hat in Schweden zwar abgenommen, die Gewalt gegen Prostituierte aber hat deutlich zugenommen.

Wichtiger als die Effizienz scheint der moralische Triumph zu sein, den man hier errungen zu haben glaubt: Männer, die von einer Frau nur Sex gegen Geld wollen, bekommen was auf die Finger. In Frankreich müssen sich die Freier, wenn sie erwischt werden, neuerdings zusätzlich zu einer heftigen Geldstrafe einer kleinen Umerziehung unterwerfen. Sie sollen mehrere Unterrichtseinheiten über das harte Los der Huren absolvieren.

Die europäische Frauenbewegung ist dabei, zu einer Art Staatsfeminismus zu werden, einer Nelke in Aspik. Der schwedische Staat ist da beispielgebend. Er steht für "kollektive moralische Prinzipien und entscheidet, welche Lebensentwürfe erstrebenswert sind", heißt es in einem Aufsatz der Universität Göteborg zum schwedischen Selbstbild. Es reicht nicht mehr, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bekämpfen, was in Deutschland mit einer kleinen Korrektur der vorhandenen Gesetze leicht möglich wäre. Jetzt wird eine Geisteshaltung von oben verkündet, und Verstöße dagegen werden mit einem Bußgeld belegt: Es ist die Überzeugung, dass Prostitution, egal, unter welchen Umständen, nur der krasseste Ausdruck eines unterdrückerischen Machtverhältnisses zwischen Männern und Frauen ist, eines Machtgefälles, das mit jedem Sexakt neu bestätigt wird.

Feminismus ist die Antwort – aber was war noch mal die Frage?

Es nutzte den Hurenorganisationen nichts, gegen ihre Fürsprecherinnen in Stockholm, Paris, Berlin oder Brüssel zu protestieren und zu reklamieren, sie täten ihre Sexarbeit freiwillig. Da ging es ihnen nicht anders als früher den Arbeitern, die keine linken Parteien wählen wollten: Marxisten trösteten sich traditionell damit, dass die Arbeiter manipuliert worden seien, dass sie eingeschüchtert würden oder bewusstseinsmäßig einfach noch nicht so weit seien.

Das eigentlich Schlimme am Triumph des Staatsfeminismus ist nicht die Armada von Gleichstellungsbeauftragten, sind nicht Reglementierungen und Quoten, die er hervorgebracht hat. Gerade die Quoten haben in viele verschmockte Herrenrunden frische Luft gebracht. Das Deprimierende ist der Affekt des Misstrauens, den all das aussendet. Nicht Befreiung und die Suche nach Glück ist der Hauptantrieb dieser Geisteshaltung, sondern der Schutz vor "Übergriffigkeit" durch Männer. Und seitdem einige Feministinnen neuerdings Prostitution und Pädophilie in eins setzen, ist die Botschaft noch dramatischer: Frauen und Kinder in die Boote, rette sich, wer kann.

Weder Männer noch Frauen sind in diesem Weltbild wirklich handlungsfähige Akteure; Männer sind Täter, Frauen sind Opfer, keiner kann raus aus seiner Haut.

So entsteht eine Stimmung, die neben anderem dazu beiträgt, dass es in Deutschland gerade Akademikerinnen sind, die keinen Mut zu Mann und Kindern haben, die es trotz innigstem Wunsch nicht schaffen, einen Mann zu finden, mit dem sie langfristig leben können. Die Zahl der Alleinerziehenden steigt und steigt, nur jede zweite Ehe hält – auch wenn Paare es inzwischen etwas länger miteinander versuchen.

Man kann das natürlich nicht alles dem Feminismus in die Schuhe schieben, aber eins scheint doch sicher zu sein: Mut macht er den Frauen zu Beziehungen nicht und zur Gründung einer eigenen Familie erst recht nicht.

Man verharrt einfach ein Leben lang in einer Adoleszenz-Pose, wie ein Blick in die Emma zeigt. Ritterinnen sind gut, Femen-Aktivistinnen sind besser, böse Mädchen sind toll. In Kreuzberg ist kürzlich eine Initiative knapp gescheitert, die Werbeplakate mit Hausfrauen oder Machos beim Autokauf verbieten wollte. Jeder zweite Tatort mit lebensgeprüfter Kommissarin, die einem weiteren Kinderschänder in Gestalt des Bademeisters oder des Vaters das Handwerk legt, schürt das Misstrauen weiter. Wer sich in Beziehung begibt, kommt darin um.

Feminismus ist die Antwort – aber was war noch mal die Frage? In Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Iran liegt das auf der Hand, wo ein oft blutiger Kampf darum tobt, wer die Verfügung über den weiblichen Körper hat. In Westeuropa dagegen stehen die Feministinnen längst auf der historischen Bühne, scheinen aber nicht mehr recht zu wissen, was sie da machen sollen. Dabei könnte man sich, jetzt, wo Frauenrechtlerinnen so viel erreicht haben, doch einmal ein paar interessante Fragen stellen.

Warum zum Beispiel gibt es in Deutschland, trotz aller Aufklärung, immer noch über 100.000 Abtreibungen im Jahr? Wie kommt es zu der hohen Zahl von Alleinerziehenden? Warum werden manche Frauen aus freien Stücken Prostituierte?

Was will das Weib? Es zeigt sich immer wieder – viele Feministinnen kennen die Frauen eigentlich nicht besonders gut.