Es klang nach einer sicheren Sache. "Containerschifffahrt: Aufschwung hat begonnen", stand im Verkaufsprospekt. Also investierte Uwe Fischer in den Frachter MS Madeira. Mit 20.000 Euro stieg er bei der entsprechenden Schiffsgesellschaft ein, die Fondsanlage war als Teil der Altersvorsorge gedacht. Jetzt ist der Fonds pleite, das Schiff zum Verschrotten verkauft und Fischer sein Geld los.

Anfangs 7 und später sogar 18 Prozent Rendite pro Jahr prognostizierte das Hamburger Premium Capital Emissionshaus (PCE), nach nur fünf Jahren Laufzeit des Fonds sollten gut 150 Prozent des eingesetzten Kapitals zurückfließen. Fischer unterschrieb und wurde zum Mitbesitzer des Schiffes. Aber statt satter Summen erhielt er eine schlechte Nachricht nach der anderen, bis PCE im August 2013 die Insolvenz des Schiffes verkündete. Mit Fischer verloren 247 weitere Anleger ihr Geld, insgesamt 7,3 Millionen Euro hatten sie in den Frachter gesteckt.

Die MS PCE Madeira ist nur eine von zig Insolvenzen der vergangenen Monate. Fast wöchentlich gehen kleine und große Schiffsfonds unter, mal trifft es einige Hundert Anleger, mal mehrere Tausend, genauer beziffern lässt sich ihre Zahl nicht. Das Hamburger Analysehaus Deutsche Fondsresearch (DFR) zählte allein im vergangenen Jahr 134 Schiffspleiten – eine Rekordzahl. Insgesamt meldeten hierzulande seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 271 Fonds mit zusammen 353 Schiffen Insolvenz an. Fast 3,9 Milliarden Euro Anlegergeld gingen dabei verloren.

Das Schlimmste aber kommt womöglich erst noch. Fast 60 Prozent der verbleibenden Schiffsfonds stünden ebenfalls auf der Kippe, heißt es bei der DFR, auch ihnen drohe die Insolvenz oder ein Notverkauf. Der Markt für Schiffsfonds kollabiere, sagt auch Wolfgang Drobetz, Professor für Unternehmens- und Schiffsfinanzierung an der Universität Hamburg. "Die Bedeutung von Schiffsfonds für die Finanzierung der Seewirtschaft wird radikal abnehmen."

Für Kleinanleger ist das Aus der Fonds fatal. Weitere 4,8 Milliarden Euro ihrer Investitionen sind derzeit in Gefahr, schätzen die DFR-Analysten. Denn bei der Insolvenz eines Schiffsfonds läuft es ähnlich wie bei der Zwangsversteigerung von Immobilien: Kommt ein Schiff unter den Hammer, geht der Erlös als Erstes an die finanzierenden Banken. Wegen der miesen Situation in der Branche und der anhaltend niedrigen Mieten vor allem für Containerfrachter ist der Wert der Schiffe jedoch so stark gefallen, dass für Privatanleger selten etwas übrig bleibt. Aus dem gleichen Grund gehen sie auch beim Notverkauf eines Schiffs meist leer aus. Zu gering sind die Erlöse.

Bis auf Ausnahmen stecken die Schiffe der Fonds oft schon seit Jahren in den roten Zahlen: Weder erwirtschaften sie die Kosten des täglichen Betriebs, noch können sie die auf ihnen lastenden Kredite bedienen. Für die Initiatoren der Fonds, die Emissionshäuser, ist das kein Desaster. Sie haben ihre Verkaufsprovisionen längst abkassiert, und auch die Verwaltungsgebühren fließen weiter. Kleinanleger dagegen haben das Nachsehen. Von den versprochenen Gewinnausschüttungen sehen sie nichts.

Stattdessen kommt Post von den Emissionshäusern mit der Aufforderung, Geld nachzuschießen, um den Fonds zu sanieren. Geht er dann doch in die Insolvenz, bleiben nur der Gang zum Rechtsanwalt und die Hoffnung, dass er bei den Anbietern Schadensersatz oder einen außergerichtlichen Vergleich durchsetzen kann und zumindest einen Teil des Geldes zurückholt. Eine Erfolgsgarantie gebe es nicht, sagen Verbraucherschützer, und selbst wenn einmal eine Entschädigung gezahlt werde, stehe deren Höhe meist in den Sternen.

Als der weltweite Warenhandel auf den Meeren boomte, waren Schiffsfonds für alle Beteiligten ein perfektes Geschäft. Reeder verdienten trotz minimalen Eigenkapitals ein Vermögen mit Schiffen, die Banken kassierten bei der Kreditvergabe, und die Anbieter, die Emissionshäuser, vergüteten sich das Auflegen, Managen und Vertreiben der Fonds mit satten Summen. Einige kassierten bis zu 35 Prozent des eingesammelten Anlegerkapitals.